Die Idee zum Bau der Klosterstadt "Campus galli" hatte der Rundfunkjournalist Bert M. Geurten aus Aachen. "Ein Sonderling, der nach Aufmerksamkeit lechzt", schreibt das St. Galler Tagblatt über ihn. Der Mann ist beredt. Der kleine Mann mit dem Schnauzbart hat die entscheidenden Politiker in Meßkirch und im Kreis Sigmaringen hinter sich gebracht, sie von seinem Projekt überzeugt. Für die Infrastruktur - Wege, Wasser- und Stromleitung - steuerte die EU fast eine Million Euro bei.

Geurtens Idee ist, den im 9. Jahrhundert auf der Reichenau gezeichneten Plan einer Klosterstadt, der nie verwirklicht wurde, innerhalb von 40 Jahren in die Tat umzusetzen. Mit den technischen Mitteln des Frühmittelalters - und vor den Augen vieler Besucher. Die Idee wirkte auf viele faszinierend. Funktionieren kann der Plan aber nur, wenn die Finanzen stimmen. Es müssen genügend Menschen kommen und Eintritt bezahlen. Meßkirch aber, eine Stadt mit 8000 Einwohnern, liegt tief im ländlichen Raum, weit entfernt von den Ballungsräumen. Geurten hätte es mit einem Standort nahe Stuttgart oder Mannheim einfacher gehabt.

Geurten ging beim Start im Juni 2013 davon aus, dass sich der Campus galli ab dem dritten Jahr selbst tragen könne. 30.000 Besucher erwartete er in der ersten Saison - ein unrealistisches Ziel, wie sich herausstellte: Es kamen nach verzögerter Eröffnung nur 13.000 zahlende Gäste. Der Gemeinderat von Meßkirch musste nachschießen.

70.000 Euro zum Anschub für den Betrieb waren geplant. Im Oktober genehmigte er in nichtöffentlicher Sitzung weitere 170 000 Euro. Im Frühjahr überarbeitete die Stadtverwaltung noch einmal die ganze Planung, reduzierte die erwartete Besucherzahl von 40.000 auf 30.000. Und der Gemeinderat genehmigte einen Zuschuss von 300.000 Euro für 2014. Zugleich wurde die bisherige Erwartung kassiert, ab dem dritten Betriebsjahr ohne Zuschüsse auszukommen.

Jetzt ist Saison-Halbzeit. Demnächst erwartet der Campus den 15.000. Besucher. "Es läuft ganz gut. Wir sind zufrieden", sagt Bürgermeister Arne Zwick. Allerdings auf der Basis dieser reduzierten Erwartungen.

Ein Grund dafür, weshalb die Besucher nur spärlich strömen: Es wird auf dem Campus galli offensichtlich für die neun Euro, die Erwachsene Eintritt zahlen, zu wenig geboten. "Es fehlt an Flair", sagt ein Kenner. Den Besuchern wird zuerst ein langer Anmarsch bis in den eigentlichen, acht Hektar großen Klosterbezirk zugemutet. Dort steht noch kein einziges steinernes Gebäude, nur an einer Holzkirche als Vorgängerbau für die geplante steinerne Klosterkirche wird gewerkelt. Es mangelt auch, wie ein Insider sagt, an einem stimmigen Betriebskonzept. Den Betrieb mit Langzeitarbeitslosen und Ehrenamtlichen zu stemmen, sei sicherlich ein schöner Ansatz. Nur: Um die didaktisch hohen Ansprüche zu erfüllen, seien Spezialisten gefragt. Zwick widerspricht: "Wir nehmen Fahrt auf. Es tut sich was. Viele Besucher sind angenehm überrascht."

Der Bund der Steuerzahler verfolgt das Geschehen in Meßkirch aufmerksam. "Die finanzielle Seite erscheint uns wacklig", sagt Pressesprecher Michael Weiss, "wir befürchten, dass der Campus galli ein Zuschussgeschäft für die Stadt Messkirch wird." Das Ganze könnte sich zu einem "finanziellen Desaster" für die Kommune entwickeln, hieß es im Verbandsorgan "Der Steuerzahler Baden-Württemberg" im Januar des Jahres. Anfang August will sich die Spitze des Steuerzahlerbunds mit Bürgermeister Zwick vor Ort treffen.