Geschichte Torpedo-Alarm im Bodensee

Immenstaad / Alfred Wiedemann 25.08.2018

Unentdeckt steckte das Geschoss aus dem Zweiten Weltkrieg mehr als 70 Jahre tief im Schlick: ein Torpedo, 5,5 Meter lang und fast eine Tonne schwer. Nur 500 Meter vom Ufer am Seemooser Horn bei Friedrichshafen rostete die Waffe jahrzehntelang im ­Bodensee. Bis zur Entdeckung bei Sonaraufnahmen. Wasserschutzpolizei, Kampfmittelbeseitigungsdienst und Schweizer Spezialisten holten den Torpedo am 8. März 2017 aus dem Wasser.

 Die Waffen, nicht nur von U-Booten, sondern auch von Flugzeugen abgeschossen, sollten auch am Bodensee produziert werden. Anfang 1943 bekam die Luftschiffbau Zeppelin, in der Rüstung für Hitler mit V-2-Raketen- und Bomberteilen engagiert, den Auftrag für ein Luft-Torpedo-Werk. 1000 Stück monatlich war das Ziel. Die Torpedos mussten eingeschossen werden, dazu war eine Schussbahn im Wasser nötig. Zeppelin fand das geeignete Gelände zwischen Immenstaad und Fischbach, an der damaligen Reichsstraße Nr. 31, später B 31.

„Fremdarbeiter“ schütteten einen Damm auf in den See für den nötigen Schießstand. Nach Kriegsende gesprengt und aufgeschüttet, ragt diese „Dornier-Mole“ bis heute wie ein Finger in den Bodensee. Wo im Krieg das Seewerk entstand und ab den 1950ern von Dornier Flugzeuge entwickelt wurden, ist heute das Werksgelände von Airbus Defence & Space. Das Ufer ist aber öffentlich zugänglich, die Inseln vor der Mole vom Grün gekapert und geschützt. „Als Kinder haben wir auf der Mole gespielt, wir haben dort geangelt und gebadet“, sagt Reinhard König vom Immenstaader Heimatverein.

Die Torpedo-Produktion am See blieb bis Kriegsende 1945 nur provisorisch: 80 Lufttorpedos wurden monatlich eingeschossen, bis es vorbei war mit dem ­tausendjährigen Reich. Geschossen wurde Richtung Friedrichshafen.  Einer der Torpedos muss dabei verloren gegangen sein. Bis zum März 2017. „Die Bergung war nicht ohne“, erinnert sich Ralf Vendel, Leiter des Kampf­mittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg. „So ein Torpedo ist lang und schwer.“ Als er aus dem Wasser heraus war, stellte sich schnell heraus: der Torpedo Typ F5W war eine Übungswaffe – ohne Sprengsatz. Entschärfen war also nicht nötig. „Aber das weiß man ja erst hinterher.“

Material für die Entschärfer

Der Torpedo aus dem See, der erste von den Kampfmittelbeseitigern im Südwesten geborgene, gehört jetzt zur Lehrmittelsammlung. Er dient als Anschauungsmaterial für Aus- und Weiterbildung. „Damit die Kollegen sehen, was das ist“, sagt Vendel.

Gelände wurde in den 1950ern von Dornier gekauft

Friedrichshafen und Umgebung waren im Zweiten Weltkrieg ein Schwerpunkt der Rüstungsindustrie. Das Seewerk-Gelände wurde in den 1950ern von den Dornier-Werken gekauft. Die Mole wurde gesprengt und aufgefüllt, die Inseln davor sind Naturschutzgebiet.

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