Stuttgart/Esslingen Tödlicher Streit ums Revier

Jubel und Siegesgesten vor dem Stuttgarter Landgericht: Als die Angeklagten gestern aus der Untersuchungshaft ins Gericht gefahren wurden, begrüßten rund 40 Anhänger der rockerähnlichen Gruppe die Männer. Bei einem Bandenkrieg zwischen Red Legions und Black Jackets in Esslingen wurde 2012 ein Mann getötet. Foto: dpa
Jubel und Siegesgesten vor dem Stuttgarter Landgericht: Als die Angeklagten gestern aus der Untersuchungshaft ins Gericht gefahren wurden, begrüßten rund 40 Anhänger der rockerähnlichen Gruppe die Männer. Bei einem Bandenkrieg zwischen Red Legions und Black Jackets in Esslingen wurde 2012 ein Mann getötet. Foto: dpa
Stuttgart/Esslingen / WENKE BÖHM, DPA 17.09.2013
Blutige Fehden rivalisierender Rockergruppen eskalieren immer wieder. In Esslingen wurde kurz vor Weihnachten ein 22-Jähriger getötet. Jetzt wird der Fall in Stuttgart vor Gericht verhandelt.

Neun Monate nach einem tödlichen Machtkampf zwischen zwei rockerähnlichen Banden müssen sich elf Verdächtige wegen gemeinschaftlichen Mordes und versuchten Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Bei dem Gewaltexzess in der Nacht zum 22. Dezember 2012 in Esslingen starb ein 22-Jähriger. Mehrere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen lebensgefährlich.

Anlass für den blutigen Streit war die Konkurrenz zwischen der inzwischen verbotenen Gruppe Red Legion und den Black Jackets. Die Red Legions wollten sich in der Region Stuttgart in das Vergnügungs- und Rotlichtgewerbe drängen. Damit standen sie in direkter Rivalität zu den Black Jackets.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die 21- bis 27-jährigen Angeklagten der Bande Red Legion ihre Kontrahenten von den Black Jackets in einen Hinterhalt gelockt. Ziel war nach Einschätzung von Staatsanwalt Thomas Hochstein ein "Denkzettel" im Streit ums Revier.

Unter einem Vorwand seien die zehn Mitglieder der feindlichen Bande aus einer Esslinger Bar ins Freie geholt worden. Dort habe zuerst der Ex-Präsident der Black-Jackets-Gruppe ein Messer in den Bauch bekommen. Dann seien mehr als 20 Mitglieder der Red Legions mit Messern, Schlagstöcken und Fäusten auf die überraschten Opfer losgegangen. Während der Ex-Präsident schwer verletzt überlebte, starb der 22-Jährige aus dem Umfeld der Bande am Tatort. Sein Bruder erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen. Andere Angegriffene trugen Stiche, Platz- und Schürfwunden davon. Auch einige Angreifer hatten Schnittverletzungen. Als die erste Streife drei Minuten nach dem Notruf am Tatort ankam, waren die meisten Beteiligten schon auf der Flucht. Allerdings hatten Zeugen die Gewalttat in Esslingens Innenstadt beobachtet.

Im Sommer verbot Innenminister Reinhold Gall (SPD) die Red Legion, der viele Kurden angehörten. Vor zwei Jahren hatte er bereits die Hells-Angels-Gruppe "Borderland" aus Pforzheim nach gewalttätigen Auseinandersetzungen verboten.

Am Stuttgarter Landgericht wurden die Angeklagten von 40 Gleichgesinnten mit Jubel und Siegesgesten empfangen. Im Gericht flossen bei Freundinnen und Müttern der Angeklagten Tränen. Mit erkenntnisreichen Aussagen der Angeklagten rechnet Hochstein nicht, wie er am Rande des Prozesses sagte. Bisher hätten sie weitgehend geschwiegen. Es spreche vieles dafür, dass dies zum Ehrenkodex der Gruppe gehöre.

Noch vor Verlesen der Anklage stellten Anwälte der Angeklagten Befangenheitsanträge gegen die Kammer. Zudem forderten einige die Ablösung des Staatsanwaltes und warfen ihm vor, bei Verhören Druck auf Zeugen ausgeübt zu haben.

Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsbedingungen statt. Mehr als 50 Verhandlungstage sind bis Frühjahr angesetzt.

Wegen der Tat sind noch sieben weitere Männer angeklagt, die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzen. Der Prozess gegen sie könnte nach Hochsteins Einschätzung Ende des Jahres beginnen.

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