Stuttgart Tödlicher Gang-Streit von Esslingen erneut vor Gericht

Gefangenentransporter an der Sicherheitsschleuse des Landgerichts Stuttgart: Beim ersten Prozess herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen.
Gefangenentransporter an der Sicherheitsschleuse des Landgerichts Stuttgart: Beim ersten Prozess herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen. © Foto: dpa
Stuttgart / LSW 15.08.2016
Zwei Gangs stehen sich 2012 in Esslingen gegenüber – am Ende ist ein Mensch tot. Nun steht ein neuer Prozess an. Der BGH hat zwei Mordurteile aufgehoben.

Fast vier Jahre nach einer tödlichen Schlägerei unter Gangmitgliedern in Esslingen kommt der Fall erneut vor Gericht. Eine Jugendkammer des Landgerichts Stuttgart muss von Dienstag an auf Weisung des Bundesgerichtshofs (BGH) noch einmal über das Strafmaß für einen mittlerweile 24-Jährigen entscheiden. Der hatte die Auseinandersetzung begonnen, die für einen Beteiligten damals tödlich endete. Ende Februar 2015 waren er und ein älterer Komplize wegen Mordes verurteilt worden – als Mittäter. Denn wer aus der Gruppe mit dem Messer zugestochen und damit den Kontrahenten letztlich getötet hat, konnte nie geklärt werden.

Der BGH in Karlsruhe hielt diese Rechtsauslegung für nicht korrekt, änderte den Schuldspruch in Körperverletzung mit Todesfolge und gab den Stuttgarter Richtern auf, noch einmal neu über das Strafmaß zu entscheiden.

Der Fall ist verworren. Der Angeklagte, damals 20 Jahre alt, gehörte laut Gericht zur inzwischen verbotenen rockerähnlichen Gruppierung „Red Legion“. Mit rund 25 weiteren Mitgliedern soll er im Dezember 2012 Angehörige der verfeindeten „Black Jackets“ aus einer Esslinger Bar gelockt und dann angegriffen haben. Nach Überzeugung der Richter zückte er damals ein Messer und stach es dem gegnerischen Anführer in den Bauch, der Mann überlebte die Attacke aber. Ein anderes Mitglied der „Black Jackets“ hingegen wurde im Laufe des Kampfes getötet – von wem, ist bis heute unklar.

Das Landgericht befand später, dass der junge Mann den Angriff mit seiner Messerattacke eingeleitet habe. Damit habe er gebilligt, dass auch seine „Red Legion“-Kollegen zum Messer greifen und möglicherweise Menschen töten. Somit sei er Mittäter, entschieden die Richter – und verurteilten ihn wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe.

Der BGH ließ das nicht gelten. Es sei kein gemeinsamer Tatplan zu erkennen, auch kein bewusstes Zusammenwirken des heute 24-Jährigen mit dem unbekannten Täter. Er könne daher nicht wegen Mittäterschaft verurteilt werden, wohl aber wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung mit Todesfolge.

Im Fall des zweiten wegen Mordes verurteilten „Red Legion“-Mitglieds, der sich ebenfalls als treibende Kraft an der Auseinandersetzung beteiligt haben soll, entschied der BGH genauso. Er war zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Da er älter ist, wird sein neues Strafmaß von einer anderen Kammer festgelegt. Dieses Verfahren beginnt im Oktober.