Filderstadt Todesfahrer war seit einem Jahr auf der Flucht

DOMINIQUE LEIBBRAND 24.03.2016
Der Mann, der bei der tödlichen Verfolgungsjagd nahe Stuttgart hinterm Steuer saß, war ein gesuchter Verbrecher. Das erklärt die wilde Flucht.

Die Polizei ist bei der Aufklärung der tödlichen Verfolgungsjagd, die in der Nacht auf Dienstag von der A 8 auf die B 27 zwischen Stuttgart und Tübingen führte, einen entscheidenden Schritt weiter: Die Identität des Mannes, der das Fluchtauto gesteuert hatte, ist geklärt. Es handelte sich um einen vorbestraften 24-jährigen Jordanier, der wegen schweren Raubes per Haftbefehl gesucht worden war. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Gemeinsam mit zwei weiteren Menschen war der Mann ums Leben gekommen, nachdem sich das Trio einer Polizeikontrolle entzogen hatte. Nach wilder Fahrt war das Fluchtauto in einer Parkbucht bei Filderstadt-Plattenhardt mit zwei Lkws kollidiert. Alle drei Insassen, deren Beziehung untereinander noch unklar ist, waren sofort tot. Neben dem Jordanier hatten eine 23-jährige Frau und ein 26-jähriger Mann aus dem Raum Villingen-Schwenningen in dem grauen Miet-Mercedes gesessen. Die beiden waren ebenfalls polizeibekannt, galten als kleinkriminelle Drogenabhängige.

Anders als bei den Beifahrern hatte sich die Identifikation des Fahrers schwierig gestaltet, weil seine Ausweispapiere gefälscht waren. Der 24-Jährige habe mit verschiedenen Identitäten gelebt, es habe Anzeigen wegen Urkundenfälschung gegeben, sagte der Reutlinger Polizeisprecher Michael Schaal.

Und damit nicht genug: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte der Mann ein langes Vorstrafenregister. Zuletzt war er im Jahr 2014 wegen 13 Straftaten verurteilt worden.

Unter anderem ging es um schweren Raub und räuberische Erpressung. Das Gericht habe eine Strafe von fünf Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angewiesen, berichtete ein Sprecher der Behörde. Aus der Klinik, in der der Mann seine Betäubungsmittelsucht loswerden sollte, sei er vor etwa einem Jahr geflohen. Seither befand er sich auf der Flucht, soll aber mindestens einen weiteren Raubüberfall verübt haben.

Diese Aktenlage erklärt für die Polizei, warum der Mann, als eine Streife den Wagen anhalten wollte, Vollgas gab. Mit 182 statt der erlaubten 120 Stundenkilometer war der Mercedes gegen 2.07 Uhr über die A 8 nahe des Stuttgarter Flughafens gerauscht. Die Streife, die mit Handlasergerät im Einsatz war, wollte das Auto stoppen. Da der Fahrer aber nicht reagiert, sondern beschleunigt habe und die Straßen um die Uhrzeit frei gewesen seien, nahmen die Beamten die Verfolgung auf. Bis zum jähen Ende an der B 27.