Nach dem Test eines neuen Verfahrens zur Verteilung von Abitur-Prüfungsaufgaben sind die ersten Rückmeldungen an das Kultusministerium positiv gewesen. Das berichtete jedenfalls eine Sprecherin von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag in Stuttgart. Schulleiter hätten erklärt, dass das neue Verfahren absolut problemlos sei und die ursprüngliche Kritik nicht nachvollziehbar sei. Das Verfahren war an 40 von rund 380 öffentlichen Gymnasien getestet worden. Eine abschließende Bilanz will das Kultusministerium in der kommenden Woche ziehen.

Möglichst schon in diesem Jahr sollen die Aufgaben für vier Fächer per verschlüsseltem USB-Stick an die Gymnasien ausgeliefert werden. Die Schulen müssen die Aufgaben am Prüfungsmorgen entschlüsseln und selbst ausdrucken. Bisher waren die Aufgaben bereits gedruckt verschickt worden. Nach zwei Einbrüchen in Gymnasien 2017 im Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf und 2018 im niedersächsischen Goslar will Baden-Württemberg das Verfahren umstellen und die Aufgaben für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch per USB-Stick versenden. Bei diesen Fächern können sich die Länder aus einem bundesweiten Pool der Kultusministerkonferenz bedienen.

Christof Martin, der Schulleiter des größten Gymnasiums in Baden-Württemberg, dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar, sagte am Freitag, der Test sei an seiner Schule problemlos verlaufen. Man habe für 250 Prüfungsarbeiten eine Stunde gebraucht - vom Einstecken des USB-Sticks an den Computer bis zum Drucken, Kopieren und Eintüten der Abituraufgaben. Natürlich müssten die Kopierer entsprechend vorbereitet sein und etwa genug Papier und Toner haben, sagte Martin. Das Friedrich-Schiller-Gymnasium hat rund 2500 Schüler. Im vergangenen Jahr gab es dort 300 Abiturienten.

Gewerkschaften hatten berichtet, dass viele Schulen dem neuen Verfahren sehr skeptisch gegenüberstünden. Der Landeschef des Philologenverbandes, Ralf Scholl, zeigte sich am Freitag nicht überzeugt. „Der Teufel liegt im Detail“, meinte er. Die Schulen hätten am Tag der Abiturprüfungen nur drei Stunden Zeit, die Aufgaben zu entschlüsseln und auszudrucken. In anderen Bundesländern würden die Aufgaben zwar auch per USB-Stick verteilt - doch dort könnten die Schulen sie bereits am Vorabend der Prüfungen ausdrucken. Diese Verfahren wünscht sich Scholl auch für Baden-Württemberg.