Gericht Terror-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Jugendstrafe von 5 Jahren

Der Angeklagte Dieab K. zwischen seinem Dolmetscher und seinen Anwalt.
Der Angeklagte Dieab K. zwischen seinem Dolmetscher und seinen Anwalt. © Foto: dpa
Ravensburg / Roland Müller 11.07.2017
Am Dienstag wurde der Prozess gegen einen 21-jährigen Flüchtlingen fortgesetzt, der einen Anschlag in Kopenhagen geplant haben soll.

Im Ravensburger Terrorprozess gegen einen 21-jährigen syrischen Asylbewerber aus Biberach hat die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von 5 Jahren gefordert. „Dänemark ist nur mit Glück einem Terroranschlag entronnen“, sagte Staatsanwalt Marcus Höschele am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Ravensburg. Der Angeklagte Dieab K. sei „überzeugter Salafist“ und habe mit einen Komplizen aus Schweden geplant, einen Selbstmordanschlag in Kopenhagen durchzuführen. Verteidiger Werner Haimayer forderte eine mildere Strafe. Der Angeklagte habe der Terrormiliz IS abgeschworen und habe umfänglich ausgesagt.

Die deutschen Behörden haben indes einen möglichen Kontaktmann von Dieab K. identifiziert. Ein syrischer Flüchtling namens Moyad Z. mit Wohnsitz in Schweden soll ihm in den Tagen vor einem geplanten Selbstmordanschlag in Kopenhagen im November 2016 Anweisungen gegeben haben. „Wir gehen davon aus, dass es dieselbe Person ist“, sagte ein Beamter des baden-württembergischen LKA am Dienstag vor dem Ravensburger Landgericht.

Moyad Z. war in Schweden wegens eines Brandanschlags auf ein schiitisches Gemeindezentrum angeklagt worden, wurde aber im April 2017 aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die schwedische Handynummer, über die Dieab K. laut eigener Aussage Anweisungen von einem „Moyad“ erhielt, sei eindeutig der Person zuzuordnen, sagte ein LKA Beamter. Weder in Dänemark noch in Schweden werde allerdings derzeit gegen den Mann ermittelt, der als Sympathisant des IS einschlägig bekannt sei.

Der zur Tatzeit 20-jährige Dieab K., der in Biberach in einer Asylunterkunft lebte, war im November 2016 an der dänischen Grenze mit Einzelteilen zum Bau einer Bombe aufgegriffen worden, wurde aber zunächst freigelassen. Wenig später wurde er von der Ulmer Polizei in einem Asylbewerberheim in Biberach festgenommen.

Dieab K. hatte im Verfahren die Vorwürfe weitgehend eingeräumt, bestritt aber jede Absicht, sich selbst töten zu wollen oder den Anschlag selbst durchzuführen. Er habe nur die Bauteile für eine Bombe nach Kopenhagen liefern wollen. Er gab an, dem IS inzwischen abgeschworen zu haben. „Ich war auf dem falschesten Weg unterwegs“, sagte er in seinem Schlusswort. Eine psychiatrische Gutachterin attestierte ihm eine Reifeverzögerung, weshalb die Anwendung von Jugendstrafrecht noch angemessen sei.

Das Urteil soll am Mittwoch gefällt werden.

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