In drei bis vier Jahren will der SWR sein Mannheimer Domizil an der Autobahn räumen. Ein Neubau könnte in der Nähe der Popakademie am Hafengebiet entstehen, wo ein kulturelles Zentrum der Stadt wächst. Oberbürgermeister Peter Kurz hat das Millionenprojekt bereits zur Chefsache gemacht. Er will helfen, einen geeigneten Bauplatz zu finden, um den Medienstandort Mannheim zu stärken. Wie groß das neue Gebäude letztlich werden soll und ob Arbeitsplätze wegfallen, steht noch nicht fest.

Die Begründung für das überraschende Aus: Das Studio „Mannheim-Ludwigshafen“ sei nach 28 Jahren nicht mehr zeitgemäß – besonders wegen der neuen Brandschutzvorschriften, sagt Studioleiter Gerhard Mantel. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: eigentlich war es das noch nie. Die Architektin, die das angrenzende Technoseum und das damalige SDR-Gebäude entworfen hatte, baute das Funkhaus weniger als funktionellen Arbeitsplatz für die heute 80 Beschäftigten in Redaktion und Technik, sondern eher als ein Gesamtkunstwerk. Die Büros waren im Sommer wahre „Brutkästen“ mit über 40 Grad. Es gab keine Klimaanlage und die Planerin untersagte zunächst, dass Jalousien angebracht wurden. Als sich die Belegschaft nach langem Kampf durchgesetzt hatte, waren die Blenden nutzlos, denn bei geringstem Wind fuhren sie automatisch hoch. Ein weiteres Beispiel schlechter Planungsarbeit von SDR und Architektin: eine Kantine wurde einfach vergessen.

Neben den Sicherheitsmängeln wird ein anderes Argument für das kommende Kistenpacken  genannt. Die Räume für Hörfunk und Fernsehen eigneten sich nicht mehr für den Betrieb eines modernen Rundfunkstudios, dessen Zukunft die Leitung in multimedialen Kanälen sieht, betont der Studioleiter weiter. in Mannheim werden Beiträge für alle TV- und Radioprogramme sowie das Internet hergestellt. Das Einzugsgebiet des SWR in Mannheim reicht vom Pfälzer Wald über das Ried bis zum Odenwald und in die Südpfalz hinein.

Unklar ist aktuell noch, was der Umzug für die Mitarbeiter bedeutet. „Einstweilen“ seien keine Änderungen am Personalbestand vorgesehen, sagt Mantel. Mittelfristig freiwerdende Stellen allerdings würden aufgrund der Digitalisierung im technischen Sektor des Senders nicht mehr besetzt, heißt es.