SPD Südwest-SPD feiert Martin Schulz

Begeistert gefeiert: Kanzlerkandidat Martin Schulz in Schwäbisch Gmünd.
Begeistert gefeiert: Kanzlerkandidat Martin Schulz in Schwäbisch Gmünd. © Foto: dpa
Roland Muschel 13.03.2017

Auf einem Tisch im Foyer des „Congress-Centrum“ in Schwäbisch Gmünd dreht eine Spielzeugeisenbahn ihre Runden. Ein Schild mit der Aufschrift „In Richtung Kanzleramt“ weist dem „Schulzzug“ den Weg. Wenige Schritte weiter ein Stand mit Wahlkampf-Werbemitteln, das SPD-Schreibset „stabiler“ für 39,80 Euro ist dabei. Dominierend sind aber Artikel rund um Martin Schulz, den SPD-Kanzlerkandidaten.

 Vor dem Saal, in dem sich die Delegierten versammeln, warnt ein Schild, dass der Platz nicht für alle reichen könnte. Niemand kann sich erinnern, so ein Schild schon einmal bei einem SPD-Landesparteitag gesehen zu haben. In der jüngeren Vergangenheit galten die Treffen nicht gerade als vergnügungssteuerpflichtig.

 Drinnen wärmt  SPD-Landeschefin Leni Breymaier die 300 Delegierten und zahlreiche Neugierige für den Auftritt des Hoffnungsträgers auf. Dass sie vor nicht so langer Zeit noch „Bammel“ vor diesem Tag gehabt habe, beginnt Breymaier ihre Rede. Es ist ein Verweis auf den Absturz der SPD bei der Landtagswahl im März 2016  auf desaströse 12,7 Prozent und auf die noch zu Jahresbeginn gestellte Frage, ob die Südwest-SPD statt mit derzeit 20 ab Herbst 2017 vielleicht nur noch mit 15, 14 oder gar 13 Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten sein wird. Und zugleich ist es eine Erklärung für den befreienden Jubel, der fortan fast jedem Satz folgt.  „Am 24. September muss Schluss sein mit der Ära Merkel“, ruft Breymaier in den Saal, und dass es Zeit sei „für einen Politikwechsel in Deutschland“.

Die Delegierten klatschen, johlen, jubeln. Und sie tun es noch mehr, als SPD-Generalsekretärin Luisa Boos ankündigt, dass „der Moment“ gekommen sei, „auf den wir alle gewartet haben“. Jusos strecken Pappschilder mit dem Slogan „Zeit für Martin“ in die Höhe, die Menge skandiert „Martin, Martin“. Schon beim Einzug in den Saal wird Schulz gefeiert wie ein Popstar.

Auf der Bühne legt der Star des Parteitags gleich los. „Ich trete an, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden!“ Seine Rede dreht sich um soziale Gerechtigkeit, darum, dass sich „der enorme Reichtum des Landes auch in einem Mehr an Lohn für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes“ widerspiegeln müsse. Die Rede enthält keine Neuigkeiten, aber sie trifft Nerv, Herz und Seele der Parteibasis. Die Delegierten feiern ihren Martin mit stehenden Ovationen. „Ich habe so eine Stimmung noch nie erlebt“, sagt die Freiburger SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland hinterher. Die Aufbruchsstimmung trägt den gesamten Parteitag, bei dem fast ein bisschen in Vergessenheit gerät, dass die Delegierten primär zusammengekommen sind, um die Landesliste für die Bundestagswahl aufzustellen. Der Vorschlag der Findungskommission für die aussichtsreichen Plätze – dank des Schulz-Hypes rechnet der Landesverband nun mit bis zu vier Direktmandaten und insgesamt 25 SPD-Abgeordneten Baden-Württemberg – geht glatt durch.

Breymaier an Nummer eins erhält mit knapp 94 Prozent ein sehr gutes Ergebnis, der auf Nummer sechs gesetzte frühere SPD-Vize-Ministerpräsident Nils Schmid mit 69,6 Prozent eines der schlechtesten. Schmids Wechsel vom Landtag in den Bundestag auf einem sehr guten Listenplatz gefällt nach der Wahlschlappe im März 2016 offenbar nicht allen. Doch das ist nur eine Fußnote eines Parteitags, an dem sich die Südwest-SPD an Martin Schulz und ihren neuen Perspektiven berauscht.

Leny Breymaier an der Spitze

Auf der SPD-Landesliste für die Bundestagswahl im September stehen: 1. Leni Breymaier (Aalen-Heidenheim), 2. Christian Lange (Backnang-Schwäbisch Gmünd), 3. Rita Schwarzelühr-Sutter (Waldshut), 4. Lothar Binding (Heidelberg), 5. Hilde Mattheis (Ulm), 6. Nils Schmid (Nürtingen), 7. Katja Mast (Pforzheim), 8. Martin Gerster (Biberach), 9. Ute Vogt (Stuttgart I), 10. Johannes Fechner (Emmendingen-Lahr), 11. Gabriele Katzmarek (Rastatt), 12. Lars Castellucci (Rhein-Neckar), 13. Heike Baehrens (Göppingen), 14. Martin Rosemann (Tübingen), 15. Saskia Esken (Calw), 16. Josip Juratovic (Heilbronn),  17. Elvira Drobinski-Weiß (Offenburg), 18. Parsa Marvi (Karlsruhe-Stadt), 19. Annette Sawade (Schwäbisch Hall-Hohenlohe), 20. Stefan Rebmann (Mannheim). dpa