Land am Rand Stuttgarter Demos: Deeskalieren ohne Zahlen

Feinstaub-Demo in Stuttgart: 800 Teilnehmer, oder sind’s mehr? Die Polizei will nicht mehr schätzen.
Feinstaub-Demo in Stuttgart: 800 Teilnehmer, oder sind’s mehr? Die Polizei will nicht mehr schätzen. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Alfred Wiedemann 08.02.2019

Es ist ein Kreuz mit den Demonstranten. Also, mit der jeweiligen Teilnehmerzahl, nicht mit dem Demonstrationsrecht. Gegen alles kann und darf man bei uns auf die Straße gehen. Und wer ist immer dabei? Die Polizei. Mindestens, um abzusperren und den Verkehr zu regeln.  In zahlreichen schwierigeren Fällen, um Demonstranten und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten oder um die auszusortieren, die das Demonstrationsrecht mit Faust und Knüppel frei auf Andersdenkende verwechseln.

Überstunden machen und Knochen riskieren – die Polizeibeamten sind auch da nicht zu beneiden. Kein Wunder, wenn sie jetzt in Stuttgart, wo gerade regelmäßige Proteste gegen das Diesel-Fahrverbot schwer angesagt sind, keine Zahlen mehr zu Demo-Teilnehmern nennen wollen. Was sie sagen, ist ja immer falsch. Könnte man meinen, denn kaum ist die Polizeimeldung mit der Teilnehmerzahl raus, schon kommt ein Oberschlauer und sagt: stimmt nicht, waren viel mehr.

Das kennt die Polizei schon von den Demos gegen Stuttgart 21. Bei den Demos gegen Fahrverbote haben sie jetzt keine Lust mehr auf Besserwisser. Dass sie aber das Zählen einstellen, ist nicht zu erwarten. Wenigstens intern muss man doch wissen, weshalb wieder so viele Beamte aufgeboten werden mussten. Aber wenn die Schätzungen intern bleiben, ist der Streit über Teilnehmerzahlen vorbei. Das ist kluge Demo-Deeskalation. Die Veranstalter können ja selber zählen. Dafür gibt es jede Menge Handy-Apps.

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