Am Freitagmittag stand vor dem Stuttgarter Rathaus eine Hochzeitsgesellschaft und ließ bunte Luftballons gen Himmel steigen, während ein Orgelspieler „Wenn nicht jetzt, wann dann“ von den „Höhnern“ spielte. Weit weniger feierlich ging es drinnen zu, denn: Im Dezember wird es ein neues Gutachten zu den Kosten und der Inbetriebnahme des Bahnhofsprojektes Stuttgart 21 (S­ 21) geben. Das gab der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn (DB), Ronald Pofalla, am Freitag im Anschluss an die Lenkungskreissitzung bekannt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Cooper und das Ingenieurbüro Emch und Berger sollen bis zur DB-Vorstandssitzung im Dezember evaluieren, ob die geplanten Kosten von 6,5 Milliarden Euro sowie die avisierte Eröffnung Ende 2021 gehalten werden können. An beiden hatte es immer wieder Zweifel gegeben: So wurde offen über eine Eröffnung frühestens im Jahr 2023 spekuliert. Zudem hatte der Bundesrechnungshof von einem Gesamtvolumen von bis zu zehn Milliarden Euro gesprochen.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zeigte sich angesichts der Aussagen „in Sorge“. Es sei zwar „gut, dass der Bahnvorstand Dritte einschaltet“. Allerdings sehe er hinsichtlich einer möglichen zügigeren Fertigstellung der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm „die Gefahr einer Entkopplung“. Pofalla erklärte, das Gutachten sei insbesondere wegen steigender Baukosten wichtig. So habe es im Sommer bei der Vergabe eines Teilprojekts „eine erhebliche Abweichung zwischen Planung und Vergabekosten“ gegeben. Um welchen Abschnitt es sich konkret handelt, wollte er nicht sagen.

Thema in der Sitzung, an der die Projektpartner DB, Land Baden-Württemberg, Stadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart teilnahmen, war zudem der Flughafen-Anschluss. Auch hier war zuletzt über Verzögerungen bis 2023 spekuliert worden. Pofalla sagte, dass es im November hierzu eine separate Sitzung geben wird, in der Manfred Leger, Geschäftsführer des DB-Projektes Stuttgart–Ulm, die Partner über den Stand unterrichten werde.

Abschließend räumte Pofalla ein, dass S 21 „trotz aller Beschleunigungsanstrengungen“ zwei Jahre in Verzug sei. Im Dezember wird wohl bekannt, ob der sich auf das Datum der Inbetriebnahme auswirkt. Wenn nicht dann, wann dann?