Die Bahn wird die Diskussionen um die Kosten beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 einfach nicht los. Das von dem Unternehmen in Auftrag gegebene Gutachten zu Finanzierung und Kostenentwicklung des geplanten Tiefbahnhofs in der Landeshauptstadt verzögert sich. Nach Informationen des grünen Bundestagsabgeordneten und bahnpolitischen Sprechers der Partei aus Filderstadt, Matthias Gastel, wird das Papier der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nicht wie geplant zur nächsten Aufsichtsratssitzung im September fertig.

Reinhold Willing, Pressesprecher bei der Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm, bestätigte: „Ja, das Gutachten wird bis zur nächsten Sitzung im September nicht vorliegen“, sagte er. Selbst mit Zwischenergebnissen sei bis dahin noch nicht zu rechnen. Wahrscheinlich ist nun, dass die Ergebnisse im Aufsichtsrat somit erst bei der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Dezember diskutiert werden. „Die Projektpartner sind darüber in Kenntnis gesetzt“, sagte Bahnsprecher Willing.

Die Bahn bleibt somit bei der Kostendiskussion in der Defensive: „Die Deutsche Bahn überlässt die Kostenprognosen noch länger alleine den Projektkritikern. Ohne das KPMG-Gutachten hat die Bahn der Kritik des Bundesrechnungshofs und externer Sachverständiger nichts entgegenzusetzen“, kritisierte der Bundestagsabgeordnete Gastel. Anfang Juli war öffentlich geworden, dass der Bundesrechnungshof Kosten bei S 21 von bis zu zehn Milliarden Euro für möglich hält.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte zu Beginn der Woche den Rechnungshof scharf attackiert. Die Bahn habe sich um den Bericht bemüht, sei von der Behörde aber stets abgewiesen worden, sagte er gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Es gebe „noch viel Raum für eine bessere Kommunikation und Transparenz“.

Genau die fordert der Bundestagsabgeordnete Gastel umgekehrt: Die Bahn trage nur dazu bei, „dass Spekulationen um die Kosten und den Zeitplan von S 21 neuen Nährboden erhalten. Die Projektpartner werden im Ungewissen gelassen.“