Stuttgart/Berlin Stuttgart 21: Frische Zahlen für den Aufsichtsrat

Endlose Debatten: Blick auf den Stuttgarter Bahnhofsturm.
Endlose Debatten: Blick auf den Stuttgarter Bahnhofsturm. © Foto: dpa
ANDREAS BÖHME 08.10.2016

Das Gutachten hat Gewicht: Nach vielen Störgeräuschen und Berechnungen über mögliche Kostensteigerungen beim Bahnprojekt Stuttgart 21 sollte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Bahn-Aufsichtsrats „Klarheit“ schaffen – wenn es so etwas in Bezug auf das Milliardenprojekt geben kann. Zuvor hatte ein Gutachten der  Projektgegner sowie ein Prüfbericht des Bundesrechnungshofs schlimme Zahlen prognostiziert: im letzteren Fall hieß es, das Projekt könne bis zu 10 Milliarden Euro kosten – und nicht die maximal 6,5 Milliarden, die die Bahn selbst in ihren Berechnungen angibt.

Das verunsicherte den Aufsichtsrat – deshalb sollte KPMG neutral belastbare Zahlen liefern. Laut „Süddeutscher Zeitung“ liegt das Gutachten nun vor, kommende Woche soll es dem Gremium vorgelegt werden. Wie die Zeitung weiter berichtet, bestätigt das Papier im Großen und Ganzen die Kalkulation der Bahn, KPMG gehe von 6,3 bis 6,7 Milliarden Euro für Stuttgart 21 aus. 

Risiken im Tunnelbau

Die Autoren der Studie gehen aber davon aus, dass der Bau wegen diverser Schwierigkeiten mindestens ein Jahr, womöglich sogar drei Jahre länger dauern wird. Offiziell wird noch am Termin Ende 2021 festgehalten, an dem die ersten Züge durch die unterirdische Station rollen sollen. KPMG verweist auf mögliche Risiken beim Tunnelbau, die dafür sorgen könnten, dass der Tiefbahnhof erst 2024 in Betrieb geht. In diesem Fall würde die Gesamtsumme auf 6,7 Milliarden Euro steigen. Die Bahn wollte den Bericht nicht kommentieren. Im Aufsichtsrat wird am Mittwoch auch der Rechnungshof-Bericht behandelt. Laut Bahn bezieht dieser  aber Posten ein, die nicht Teil des Vertrages mit den Projektpartnern, also Land, Landeshauptstadt,  Flughafen-GmbH und Regionalverband sind. Der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel sagte gestern, der Bahnkonzern glaube offenbar „selbst nicht mehr an seinen eigenen Finanzierungsrahmen“. Da die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen, die gute Fortschritte mache, wohl um Jahre früher fertig werde als der Tiefbahnhof, forderte Gastel, diese möglichst „zügig in Betrieb zu nehmen“.   abö/rom/dpa

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