Naturphänomen Stufenweise ins Innere der Alb

Laichingen / Nadine Vogt 22.08.2018

Die Eisenstufen führen steil nach unten. Der Boden ist nass und an manchen Stellen rutschig. Besucher tragen Gamaschen an den Hosenbeinen. Nicht weil der Abstieg besonders gefährlich ist, sondern wegen der Lehmspritzer. Auf seine Schritte zu achten, ist trotzdem ratsam. „Das hier ist der Entdeckerspalt“, sagt Rolf Riek und deutet von einer kleinen Plattform nach vorne. Riek ist Vorsitzender des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen, der die Tiefenhöhle unterhält. Der Spalt, auf den der 62-Jährige zeigt, führt senkrecht nach unten. Er ist gerade so breit, dass ein Erwachsener durchpasst. „Früher ging’s für die Besucher hier auf einer Leiter runter“, sagt Rolf Riek. Das ist aber schon eine Weile her.

Nach ihrer Entdeckung im Jahr 1892 wurde die Höhle sukzessive erschlossen und schrittweise ­ausgebaut. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist sie für Besucher ­zugänglich. Die Besonderheit der Tiefenhöhle verrät bereits ihr Name: Über verschiedene Schächte geht es 87 Meter nach unten, in die Tiefe. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Riek. Sie ist die tiefste Schauhöhle in Deutschland.

Ganz unten wartet ein kleiner See, den allerdings nur ausgebildete Höhlenforscher zu sehen bekommen. Verborgen für Besucher bleiben auch weitere Hallen und Schächte, denn das Höhlensystem ist insgesamt 1348 Meter lang und verzweigt. „Wir sind auch heute noch dabei zu schauen, ob es irgendwo weiter geht“, sagt Riek, der seit 26 Jahren im Amt ist. Was sich unter Tage tut, begleitet ihn schon sein ganzes Leben. „Mein Vater war bei den Gründungsmitgliedern des Vereins dabei“, sagt er. Das war 1947. Später sind Rolf Riek und sein Zwillingsbruder regelmäßig in die Tiefe gestiegen. „Wir haben gemeinsam Höhlen besichtigt, erforscht und vermessen“, erinnert er sich.

Um die 30 000 Besucher wagen den Abstieg in die Tiefenhöhle  pro Jahr. „Damit sind wir vollauf zufrieden“, sagt der Vorsitzende. Viele Schulklassen sind dabei, Familien mit Kindern, aber auch internationale Gäste. Aus Schweden, Holland, Großbritannien. „Was uns im Verein immer am Herzen lag, war auch die Höhlengeologie zu zeigen“, betont der 62-Jährige. Deshalb ist überirdisch ein Höhlenkundliches Museum angeschlossen. Schaukästen, Filmvorführungen, Gesteinsnachbildungen – bevor es ins Innere der Alb geht, bekommen Besucher den geologischen und geschichtlichen Hintergrund geliefert.

6,8 Grad kalt

Auch die Entdeckung der Höhle im Jahr 1892 wird in einem Kurzfilm nachgestellt: Es war der Sandgräber Johann Georg Mack, der sich eines Tages wunderte, warum sein mühsam ausgehobener Sandhaufen verschwunden war. Diebe? Nein. Die Erklärung lieferte ein Loch im Boden, durch das der Sand gerieselt war. Der Einstieg in die Höhle. „Er hat seinen Sohn an einem Seil und mit einer Stahllaterne ausgestattet runtergelassen“, erklärt Rolf Rief. Der Anstoß zur Erschließung. Jahrzehntelang führte nur ein Weg auf einer Leiter rein und raus. „Der Besucheransturm war aber irgendwann zu groß“, sagt Riek. Das war in den Siebziger Jahren.

Heute sind Ein- und Ausgang verschieden. Für Besucher geht es 55 Meter ins Innere der Alb, 330 Meter ist der Weg lang, man braucht eine halbe bis Dreiviertelstunde. Die Temperatur liegt konstant bei 6,8 Grad Celsius. Audiostelen erklären die Besonderheiten der Höhle. Auch ohne Führung liefert die Stimme, die auf Knopfdruck erklingt, Details: zum geologischen Aufbau, zum Weißen Jura, zum Riffkalk. Anders als in vielen anderen Höhlen auf der Alb gibt’s in Laichingen keinen schwarzen Film auf dem Gestein. „Wir haben kaum Schäden durch Ruß“, sagt Riek. Hier ist das Alleinstellungsmerkmal der Höhle von Vorteil: Noch vor dem zweiten Weltkrieg wurde in der Höhle elektrisches Licht installiert. Denn weil es so steil nach unten geht, ist ein Abstieg freihändig – und damals mit Fackeln – nur schwer möglich.

Bis zum Ende der Herbstferien geöffnet

Die Laichinger Tiefenhöhle ist von Palmsonntag bis Anfang November, dem Ende der Herbstferien in
Baden-Württemberg, geöffnet und kann ohne Führung besichtigt werden (täglich von 9 bis 18 Uhr). Der Eintritt zur Höhle kostet für Erwachsene 4 Euro, für Kinder ab 6 Jahren 2,80 Euro. Wer jünger ist, darf kostenlos rein. Von einem Besuch mit Kleinkindern (unter vier Jahren) ist wegen der steilen Treppen abzuraten. Der Eintritt ins angeschlossene Höhlenkundliche Museum ist kostenlos. Weitere Informationen gibt es im Internet unter:
www.tiefenhoehle.de. dine

Die Anfahrt
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