Berlin/Stuttgart Studie: Studenten finden immer schwerer eine Wohnung

Wohnungsgesuche hängen an einem Schwarzen Brett einer Universität.
Wohnungsgesuche hängen an einem Schwarzen Brett einer Universität. © Foto: Felix Kästle/Archiv/dpa
Berlin/Stuttgart / dpa 26.09.2016
Kein Zimmer frei: Studenten haben im Südwesten von Jahr zu Jahr größere Probleme, eine Bleibe zu finden. Die Not wird größer, der Geldbeutel nicht. Der Druck auf den Markt kommt aus vielen Richtungen.

Die Wohnungsnot für Studenten spitzt sich einer neuen Studie zufolge vor allem in Baden-Württemberg immer
weiter zu. Gleich vier Südwest-Universitätsstädte finden sich unter den ersten zehn Standorten mit dem deutschlandweit engsten Angebot - Stuttgart (Platz 5), Freiburg (6), Tübingen (9) und erstmals auch
Konstanz (10). Das ergibt eine aktuelle Erhebung des Immobilienentwicklers GBI, die am Montag veröffentlich wurde. 

Im vergangenen Jahr war die Stadt Heidelberg erstmals unter den Top Ten; sie findet sich diesmal auf Platz elf wieder. Mit Karlsruhe (16), gefolgt von Mannheim (18) und Ulm (19) sind damit acht baden-württembergische Uni-Standorte unter den ersten 20 Städten mit besonders kritischer Wohnsituation für Studierende.

Im Südwesten habe sich die Lage vor allem in Stuttgart, Freiburg und Konstanz nachdrücklich verschärft, sagte Stefan Brauckmann vom Moses-Mendelssohn-Institut (MMI), das die Studie im Auftrag von GBI durchführte. „Die Studenten werden dabei aus zwei Richtungen in die Zange genommen“, ergänzte er. Zum einen gebe es generell mehr Single-Hauhalte sowie den Trend zum „multilokalen“ Wohnen etwa durch Patchworkfamilien. Zum anderen strebten auch immer mehr Menschen mit wenig Einkommen in kleine und günstige Wohnungen. 

„Der Bedarf ist riesig“, sagte die Vize-Geschäftsführerin des Studierendenwerkes Freiburg, Renate Heyberger. In Freiburg sind rund 33.000 Studenten eingeschrieben; Wohnheimplätze gibt es 3860. Wartelisten führt das Studentenwerk nicht - wenn alle Wohnungen vergeben und danach unerwartet doch eine frei wird, „wird verlost“, sagte Heyberger. Schlimmstenfalls gibt es Notunterkünfte mit Stockbetten für acht Euro pro Nacht. Die einzige Lösung wäre „bauen, bauen, bauen“, sagt sie. 

Im Ballungsraum Stuttgart warten rund 4000 Studenten auf einen Wohnheim-Platz (Vorjahr: 3700). Die durchschnittliche Wartezeit betrage sechs Monate, sagte Melanie Westphal vom Studierendenwerk
Stuttgart, das aktuell an 14 Standorten in der Region 7200 Studenten eine Bleibe bietet. Trotz zweier nagelneuer Wohnanlagen mit rund 500 Zimmern reiche das bei weitem nicht aus. Tübinger Studentenheime
bieten knapp 400 Plätze. Warteliste: 1700.

Studenten müssen laut Studie zudem auf dem freien Wohnungsmarkt immer tiefer für die Mieten in die Tasche greifen. Die Preise für WG-Zimmer auf dem freien Markt erhöhten sich in den Top-Ten-Städten
durchschnittlich um knapp 14 Prozent auf 436 Euro. Das Studierendenwerk Tübingen etwa verlangt hingegen für alle Zimmer unter 300 Euro. 

Vom MMI untersucht wurden 91 Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studenten. Bewertet wurden dabei 23 Faktoren wie WG-Preise, Immobilienangebot oder Erstsemesterzahlen. Für die Studie wurden auch
Daten des Immobilienportals WG-gesucht.de genutzt, dem nach eigenen Angaben europaweit größten Vermittlungsportal für WG-Zimmer.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel