In der SPD-Fraktionsspitze wird über einen Alleingang in Sachen Mehrkosten für Stuttgart 21 diskutiert. Fraktionsvize Rosa Grünstein drohte den Grünen damit, eine Beteiligung des Landes an den Zusatzkosten für den Flughafenbahnhof notfalls mit Hilfe der Opposition durchzusetzen. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel schloss einen solchen Alleingang hingegen aus. Er versprach den Grünen Koalitionstreue, während sich FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke freute: "Wo die SPD im Landtag vernünftige Politik machen will und es mit den Grünen nicht schafft, da steht die FDP gerne zur Verfügung."

Die Grünen beharren darauf, dass der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro fürs Bahnprojekt eingehalten wird. Die Bahn hingegen veranschlagt für einen verbesserten Flughafenbahnhof 224 Millionen Euro zusätzlich. Die grün-rote Landesregierung hat auch in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, dass sie kein weiteres Geld für Stuttgart 21 gibt. Die SPD argumentiert nun aber, dass für den Flughafenbahnhof ein neuer, zweiter Finanztopf eingerichtet werden könne.Schmiedel sagte, wenn die Bahn eine Kalkulation vorlege, würden Grüne und SPD einen gemeinsamen Beschluss zur Landesbeteiligung an den Kosten fassen.

Kostendebatte hin oder her, die Bahn versichert, es werde in jedem Fall gebaut. Beteilige sich das Land nicht an Mehrkosten für Nachbesserungen, dann werde eben so gebaut, "wie es planfestgestellt ist", sagte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer. Er bestätigte die Mehrkosten: 224 Millionen Euro am Flughafenbahnhof, 23 Millionen für verbesserten Brandschutz und 80 Millionen für andere Nachbesserungen, die sich aus der Schlichtung ergeben haben. Die Bahn wolle dafür eine neue Vereinbarung, weil es sich um Zusatzleistungen handele, die nach Abschluss des alten Finanzierungsvertrags entstanden seien.

Stuttgart-21-Gegner rollten unterdessen am Samstag ein Protestplakat am Stuttgarter Rathauses aus. Gegen 13 Demonstranten, die sich weigerten, das Rathaus zu verlassen, stellte die Stadt Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs.