Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt hat die Elsass-Metropole Straßburg der Opfer und deren Angehöriger gedacht. Der 11. Dezember werde niemals ein Tag des Hasses, sondern der Erinnerung, des Mutes und der Solidarität sein, sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner einem Bericht der Lokalzeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ zufolge am Mittwoch bei der Einweihung eines Denkmals auf dem zentralen Place de la République. Das Attentat sei eine Narbe, ein heftiger Schmerz, so Castaner. Aber er wolle sich trotzdem erinnern.

Das Denkmal wurde von einer Frau entworfen, die bei dem Attentat selbst verletzt wurde. Es zeigt die in schwarz gehaltene Silhouette der Straßburger Altstadt mit dem Münster unter einem Glaskasten mit Widmung. Straßburg sei am Abend des 11. Dezember 2018 auf die Liste der Städte in Frankreich gesetzt worden, die von einem Attentat getroffen wurden, sagte Bürgermeister Roland Ries „DNA“ zufolge.

Bei dem Anschlag vor einem Jahr in Straßburgs Innenstadt starben fünf Menschen, mehrere wurden verletzt. Der polizeibekannte Extremist Chérif Chekatt wurde zwei Tage später in der elsässischen Grenzstadt bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Chekatt erklärte in einem Bekennervideo, er habe die Tat im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begangen.

Die selbst ernannte „Weihnachtshauptstadt“ erstrahlt dennoch in diesem Jahr in einem Meer aus Lichtern - wenn auch unter erhöhtem Sicherheitsaufgebot. In den engen Gassen und zwischen den Buden des Weihnachtsmarkts patrouillieren bewaffnete Soldaten. Alle Besucher, die in das Stadtzentrum möchten, müssen durch eine Sicherheitskontrolle. Fahrzeuge, die während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkts über eine der 16 geöffneten Brücken auf die Grande Île in den historischen Stadtkern fahren wollen, werden gestoppt und kontrolliert.

Am Mittwochabend fand ein ökumenischer Gottesdienst im Straßburger Münster statt - rund 1500 Menschen waren gekommen. Dazu waren Menschen aller Religionen eingeladen, wie die Stadt zuvor betont hatte. Um 19.45 Uhr läuteten zudem in Straßburg und umliegenden Gemeinden die Kirchenglocken. Bürger waren aufgerufen, im Gedenken an die Opfer Kerzen und Lichter in Fenstern aufzustellen.