Bahn Steinbühltunnel: Warum es eine Grubenwehr braucht

Bei einer Übung im April am Scheibengipfeltunnel testete die Grubenwehr der Berufsfeuerwehr Reutlingen das Atemschutzgerät für unter Tage. Foto: Jan Zadawil
Bei einer Übung im April am Scheibengipfeltunnel testete die Grubenwehr der Berufsfeuerwehr Reutlingen das Atemschutzgerät für unter Tage. Foto: Jan Zadawil
Blaustein/Reutlingen / FABIAN ZIEHE 03.07.2013
Der Steinbühltunnel hat noch kein Brandschutzkonzept und keine Grubenwehr. Das könnte die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen verzögern. Wozu braucht es eine Grubenwehr - und was macht ihren Aufbau schwierig?

Tunnel und Stollen stellen Helfer vor Herausforderungen: Normale Feuerwehrleute kommen ab 100 Metern Tiefe kaum mehr weiter, hatte der Göppinger Kreisbrandmeister Dr. Michael Reick der SÜDWEST PRESSE vergangene Woche erklärt. Er sieht daher den Weiterbau des Steinbühltunnels der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gefährdet: Es fehle an einem Brandschutzkonzept wie an geschulten Helfern. Die zuständigen Wehren in Hohenstadt und Gruibingen seien dafür nicht gerüstet.

Die Mineure im Steinbühltunnel nähern sich rasant der 200-Meter-Marke. Von da an müssen die Baufirmen der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg (ATA) eine Grubenwehr stellen. Der Sprecher des Bahnprojekts Wolfgang Dietrich geht trotzdem davon aus, dass es keine Verzögerung geben wird. Morgen soll es nach Informationen der SÜDWEST PRESSE in Hohenstadt Gespräche zwischen der Arbeitsgruppe Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, der Bahn, dem Kreisbrandmeister, den Vertretern der Feuerwehren und womöglich des Eisenbahnbundesamts geben. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat bestätigt, dass nicht alle vorgeschrieben Unterlagen zum Brandschutz vorliegen. Nun sei das Eisenbahnbundesamt am Zug.

Der Fortgang beim Steinbühltunnel bleibt also ungewiss. Zumal es Zeit braucht, um eine Grubenwehr aufzustellen. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Blaustein, Hans Danyi, bestätigt das. Für den Stollen "Mähringer Berg", wo seit 2009 Kalkstein abgebaut wird, haben er und seine Kameraden in einem Jahr eine solche Wehr aufgebaut. "Normalen Feuerwehren fehlt die Ausrüstung für unter Tage", sagt Danyi. Träger von Druckluft-Atemgeräten müssen nach gut 30 Minuten wieder aus dem Gefahrenbereich heraus sein. Allein der Hauptstollen im Mähringer Berg ist aber 1,3 Kilometer tief, der Steinbühltunnel soll fünf Kilometer lang werden.

Wegen de langen Wege braucht es "Regenerationsgeräte", die Schulranzen ähneln: Darin steckt Technik und eine Sauerstoffflasche, die beständig vier Prozent Sauerstoff in die Atemluft mischt. So kann der Retter zwei Stunden im Berg sein, zur Not sogar vier Stunden. Das System erfordert Fitness. Für die Grubenwehr ist mit 50 Jahren Schluss - nicht mit 65 Jahren wie bei normalen Atemschutz-Trägern.

Die Distanzen machen den Einsatz von Rettungsleinen unmöglich. Auch führt kein Schlauch zurück an die Oberfläche - die Retter müssen sich anders orientieren. Sie müssen sich abseilen können, Wärmebildkameras einsetzen, leichtere Montur tragen, andere Rettungs-Systeme beherrschen und strategisch umdenken. Das erfordert eine Zusatzausbildung wie die des Zentralen Grubenrettungswesens der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie. An deren Stützpunkt im oberbayerischen Hohenpeißenberg haben sich 20 Blausteiner ausbilden lassen - neben Job und üblichem Feuerwehrdienst.

Danyi wirft deshalb die Frage auf, ob Freiwillige Feuerwehren immer die richtigen Partner für Grubenwehren sind. Im "Mähringer Berg" sei das Risiko kalkulierbar - maximal fünf Arbeiter unter Tage, geringe Risiken. Ob das auch für Tunnels gilt? "Da muss man hinterfragen, ob das nicht der Job von Hauptamtlichen ist", sagt Danyi.

Zumal selbst Berufsfeuerwehrleute speziell geschult werden. Die Reutlinger Berufsfeuerwehr, die die Grubenwehr für den Scheibengipfeltunnel stellt, hat sich von Schweizer Spezialisten ausbilden lassen - vor Tunnelanstich übrigens. "Das Aufbauen einer solchen Wehr bedarf einer Vorlaufzeit", sagt Michael Reitter. Der Sprecher der Wehr betreut zugleich feuerwehrtechnisch den Scheibengipfeltunnel.

Bei Tunnels müsse das Brandschutzkonzept "dynamisch" angepasst werden - das Einsatz-Areal ändert sich täglich. Deshalb werden die Reutlinger regelmäßig von der Landesbergdirektion kontrolliert und beraten. Reitter äußert sich nicht zum Steinbühltunnel, da kenne er sich nicht aus. Aber ein Einsenbahntunnel - ob im Bau oder in Betrieb - sprenge die Pflicht zur üblichen Daseinsvorsorge Freiwilliger Feuerwehren. Da könne man nicht prinzipiell erwarten, dass diese eine Grubenwehr stellen.

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