Stuttgart Städtetag pocht auf flexiblere Betreuungsangebote an Schulen

lsw 22.11.2016

Wenige Tage vor dem Ganztagsgipfel des Kultusministeriums fordert der Städtetag flexiblere Modelle der Ganztagsbetreuung. So sollen sich künftig zumindest an großen Grundschulen der Ganztagsbetrieb und flexible Nachmittagsbetreuung nicht länger ausschließen, forderte der Kommunalverband am Sonntag in Stuttgart. Die Förderpolitik des Landes nach dem Motto „Ganz-oder-gar-nicht“ werde der Lebenswirklichkeit an den Schulen nicht gerecht und erzeuge dort lähmende Konflikte, sagte Bildungsdezernent Norbert Brugger. „Wir müssen respektieren, dass ein Teil der Elternschaft flexible Angebote gegenüber verbindlichen Ganztagsangeboten bevorzugt.“

Derzeit gibt es nach Schätzung des Städtetags 5000 Betreuungsgruppen außerhalb des Unterrichts. Beim Ganztag hinkt Baden-Württemberg laut einer Bertelsmannstudie aber hinterher: Jeder fünfte Schüler (21,4 Prozent) in der Primar- und Sekundarstufe öffentlicher und privater Schulen besuchte 2014/15 eine Ganztagsschule. Nur in Bayern war der Anteil von Schülern im Ganztagsbetrieb mit 15 Prozent geringer als im Südwesten. Der Bundesschnitt betrug laut der Studie 37,7 Prozent. Spitzenreiter war Hamburg mit 88,3 Prozent.

Nach Darstellung des Städtetags verhindert auch die mit dem Ganztag verbundene Bürokratie den weiteren Ausbau. Das zeige sich auch darin, dass nur 16 Prozent der 2400 Grundschulen Ganztagsbetrieb haben. Damit bliebe die Bereitschaft der Schulen, Ganztagsschule zu werden, weit hinter den Erwartungen zurück. Die grün-rote Landesregierung hatte 2014 noch damit gerechnet, dass sich bis zum Jahr 2023 rund 70 Prozent der Grundschulen zu Ganztagsschulen wandeln.

Am kommenden Donnerstag will Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sich mit allen beteiligten Akteuren austauschen, wie die Ganztagsschule der Zukunft aussehen soll. Bislang sind im Südwesten nur Ganztagsgrundschulen im Schulgesetz verankert. Gemeinschaftsschulen sind nach ihrer Definition Ganztagsschulen.

„Die vom Städtetag geforderten flexibleren Ganztagsmodelle sind tatsächlich ein Knackpunkt. Das bekomme ich auch vor Ort an den Schulen und von vielen Eltern gesagt“, sagte Eisenmann der dpa. Deshalb werde das auch eine zentrale Rolle beim Ganztagsgipfel spielen. „Gemeinsam wollen wir ausloten, wie wir den unterschiedlichen Bedürfnissen von Eltern und Schulen nach Ganztagsbetrieb auf der einen Seite und flexibler Nachmittagsbetreuung auf der anderen Seite gerecht werden können.“

Nach Überzeugung des Städtetags müssten die rund 1000 weiterführenden Ganztagsschulen vom Schulversuch in den Regelbetrieb überführt werden. Das Land müsse auch die Betreuung vor und nach der Ganztagsschule sowie die Schulferienbetreuung fördern. Auf der Forderungsliste des Verband sind auch zwei neue Ganztagszeitmodelle vorgesehen: Sie beinhalten an fünf Tagen sieben beziehungsweise oder acht Zeitstunden. Bislang sind nur sieben oder acht Zeitstunden an vier oder drei Tagen vorgesehen. Insgesamt legte der Städtetag dem Ministerium bereits im vergangenen Jahr 17 Forderungen vor. Sie müssten dringend umgesetzt werden, betonte Brugger.