Langenau Spuren des Pflanzengifts Glyphosat im Flusswasser entdeckt

Zur Erleichterung der Rapsernte kann das Pflanzenmittel Glyphosat gespritzt werden. Doch es landet auch in der Donau.
Zur Erleichterung der Rapsernte kann das Pflanzenmittel Glyphosat gespritzt werden. Doch es landet auch in der Donau. © Foto: epd
THOMAS STEIBADLER 27.05.2016
Ist das Pflanzengift Glyphosat krebserregend? Darüber streiten derzeitdie EU-Poliiker und Experten. Im Donauwasser ist der umstrittene Stoff schon nachweisbar.

Das Grundwasser im Einzugsgebiet der Landeswasserversorgung (LW) sei glyphosatfrei. Diese Feststellung ist LW-Pressesprecher Bernhard Röhrle wichtig. Und im Trinkwasser, das der Zweckverband für etwa drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg aufbereitet, seien erst recht keine Spuren des Pflanzengifts enthalten. Aber im Donauwasser, das der Verband bei Leipheim (Kreis Günzburg) aus dem Fluss pumpt und fast 40 Prozent der gelieferten Trinkwassermenge ausmacht.

Die EU-weite Zulassung des Pflanzengifts läuft Ende Juni aus, die Verlängerung steht auf der Kippe. Im März 2015 hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft. Ein anderes Expertengremium kam für WHO und UN-Ernährungsorganisation aber zum Ergebnis, für Menschen sei ein Krebsrisiko durch Glyphosat „unwahrscheinlich“.

„Wenn die Wissenschaft feststellt, dass Glyphosat gesundheitlich bedenklich ist, haben wir schlagartig ein Problem“, sagt Bernhard Röhrle. Ein Problem, das nur mit großem Aufwand bewältigt werden könne. Als Beispiel nennt er ein anderes Pflanzengift, Atrazin. Obwohl Ende der 80er Jahre verboten, seien im Grundwasser immer noch Spuren. Im Trinkwasser der LW sei Atrazin ebenso wie Glyphosat nicht nachweisbar – dank teurer Aktivkohlefilter.

Genauso verhalte es sich mit Glyphosat. „Wir haben einen Stoff in der Umwelt, der dort nicht hingehört“, sagt Röhrle. So lange nicht erwiesen sei, dass es sich um einen ungefährlichen Stoff handelt, sollte die Gesellschaft „extrem vorsichtig sein“. Darauf anhand des Warnsignals aus der Donau aufmerksam zu machen, entspreche dem Selbstverständnis des Zweckverbands, dem mehr als 100 Kommunen und Zweckverbände angehören. Um einwandfreies Trinkwasser zu liefern, setze die LW auf vorausschauenden Gewässerschutz: „Wir schauen ganz genau hin,  wir informieren die Öffentlichkeit.“

Seit 2012 untersuche die LW in ihrem Langenauer Labor das gewonnene Donauwasser auf Glyphosat und dessen Abbauprodukt Aminomethylphosphonsäure, erläutert Röhrle. 130 Proben seien analysiert worden. Den Glyphosat-Höchstwert 2015  hat die LW am 10. Juni gemessen: 70 Nanogramm.