Die Verträge sind mehrere 1000 Seiten dick und geheim, eine Vielzahl von Banken, Anwälten und Beratern sind beteiligt. Vor der Finanzkrise galt "Cross-Border-Leasing" als Zauberwort für Kommunen. Doch viele der umstrittenen Millionen-Deals entpuppten sich als Fiasko. So erlitten etwa die beiden Wasserversorgungen im Land Schiffbruch - als sie 2008 vorzeitig aus den Verträgen ausstiegen, standen am Ende Verluste von insgesamt 13 Millionen Euro, die auf die Verbraucher abgewälzt wurden.

Nun sind die Städte Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd betroffen. Ende 2002 und Anfang 2003 hatten die Ostalb-Städte ihre Abwasseranlagen an einen amerikanischen Investor vermietet und zurückgepachtet, der Umfang des Deals betrug 335 Millionen US-Dollar, Vertragspartner war eine Tochter des größten US-Kreditinstituts Bank of America. Vermittelt wurde das Geschäft von der Landesbank Baden-Württemberg und der "East Merchant GmbH", damals im Besitz der Landesbank Sachsen.

Cross-Border-Leasing ist eine transatlantische Geldverschiebung, die für die US-Partner als Steuersparmodell fungierte, die Verträge sind meist auf 99 Jahre angelegt, die Kommunen wurden am Gewinn beteiligt. Heute sind die Geschäfte rechtlich nicht mehr zulässig.

Auf der Ostalb gibt es nun ein Problem: Eine Bank, die in das komplexe und streng geheime Vertragswerk eingebunden ist, wurde in ihrem Kreditwürdigkeits-Rating herabgestuft. Dafür tragen laut Vertrag die Kommunen das Risiko - im Januar 2013 schrieben die drei Städte die Suche nach einer neuen Bank öffentlich aus. In Heidenheim gab OB Bernhard Ilg in den folgenden Monaten im Gemeinderat beruhigende Parolen aus. Es sei "noch nicht absehbar, ob die Herabstufung der Bonität der Sicherungsbank Folgewirkungen für den Vertrag habe". In der damals publizierten Ausschreibung aber klingt das anders: "Zwecks Abwendung massiver wirtschaftlicher Schäden bei der Vergabestelle ist dringend der vorliegende Auftrag zu vergeben."

Bis heute ist es nicht gelungen, die abgestufte Bank auszutauschen. Bei einer Klausurtagung des Heidenheimer Gemeinderats im Oktober 2014 nannte der damalige Kämmerer Dieter Zeeb Gründe dafür: Zum einen sei das Rating "sehr anspruchsvoll", zum anderen gehörten solche Geschäfte nicht mehr zum Portfolio der Banken - sprich: ein Einstieg lohne sich für sie nicht mehr. Man versuche nun, "zusammen mit dem Regierungspräsidium, den Investor davon zu überzeugen, dass für ihn kein Risiko besteht, da deutsche Kommunen nicht insolvenzfähig sind."

Wie groß das juristische Risiko ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch heute noch sehen die Städte in der Herabstufung der Bank kein Problem: Trotz der vertraglichen Verpflichtung sei den Städten kein Vertragsbruch vorzuwerfen, wenn sie auf dem Finanzmarkt schlicht nicht fündig werden.

In vergleichbaren Fällen ist der Austausch bereits erfolgt - und er war stets teuer. Die Landeswasserversorgung kostete der Bank-Wechsel satte 23 Millionen Euro, später stieg man ganz aus. In Ulm wurden drei Millionen Euro fällig. Das Risiko, bei Untätigkeit wegen Vertragsverletzung verklagt zu werden, war den Akteuren damals zu hoch. Denn der Gerichtsstand der Deals liegt in den USA, die Verträge gibt es nur auf Englisch. "Die wirtschaftlichen Verluste können enorm sein", sagt der Münchner Spezialanwalt Julian Roberts.