Verkehr Sperrung der Rheintalstrecke dauert bis 7. Oktober

An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt haben sich Bahngleise abgesenkt.
An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt haben sich Bahngleise abgesenkt. © Foto: dpa
Rastatt / Tobias Knaack 23.08.2017
Die Sperrung der Rheintalstrecke verschiebt sich weiter. Unterdessen gibt es weiter scharfe Kritik an der Bahn und an Bundesverkehrsminister Dobrindt.

Matthias Gastel ist empört. Der Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg und Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Fraktion drückte am Dienstag seinen Unmut über weitere Verzögerungen auf der Rheintalstrecke aus: „Die achtwöchige Sperrung ist ein Schock für alle Betroffenen.“ Zuvor hatten Deutsche Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt erklärt, dass die wichtige Nord-Süd-Hauptstrecke voraussichtlich erst am 7. Oktober wieder freigegeben werden soll. Nachdem zunächst der 26. August für die Wiederaufnahme genannt wurde, war auf Mitte September korrigiert worden; nun also Anfang Oktober.

 Damit müssen weiterhin bis zu 200 Güterzüge täglich sowie viele Fernverkehrszüge weiträumig umgeleitet werden. Für Bahnreisende ist die längere Sperrung der Trasse eine Katastrophe, sagt der Fahrgastverband Pro Bahn.

Tunnel wird mit Beton gefüllt

Am 12. August hatte sich in der Tunnelbaustelle in Rastatt ein Betonsegment in der Röhre verschoben, die im Grundwasser nur knapp fünf Meter unter den Gleisen der Rheintalbahn hindurchführt. Wasser und Erdreich drangen ein. Die Gleise darüber senkten sich ab. Wie es dazu kommen konnte, ist weiter unklar.

Nun wird ein 150 Meter langer Tunnelabschnitt mit rund 10.000 Kubikmetern Beton gefüllt. Dann soll eine 120 Meter lange und einen Meter dicke Betonplatte gegossen werden. Alleine der Bau der Platte werde drei Wochen dauern. „Wir sind überzeugt, dass dieser Zeitplan eingehalten wird“, sagte Dirk Rompf, Bahnvorstand für Großprojekte. Zu den zu erwartenden Kosten der Schadensbehebung machte er keine Angaben.

Umleitung über Frankreich

Die deutsche Autobranche sieht sich kaum betroffen. „Die Masse der Transporte von Zuliefern geht über die Straße“, sagte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie. Auch die Logistikbranche erwartet keine Engpässe. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann sagte: „Wir erwarten, dass die  Bahn den Ersatzverkehr so gut wie möglich organisiert und mit geschickten Fahrplänen Personen und Güter vernünftig transportiert.“

Die Bahn leitet die Züge auf anderen Strecken durch Baden-Württemberg, Bayern sowie Frankreich um. Dafür aber fehlen dem Bundestagsabgeordneten Gastel zufolge die Kapazitäten im Südwesten. Er kritisiert deswegen das Bundesverkehrsministerium. Es zeige sich, „wie fatal es ist, dass Verkehrsminister Dobrindt viele Anträge aus den Ländern für den Ausbau und die Elektrifizierung von wichtigen Bahnstrecken bis heute nicht als notwendig erachtet“.

Betroffene Kommunen und Politiker kritisieren die Bahn scharf wegen der Probleme. Das Bauvorhaben sei zu risikoreich, es habe kein Ausweichkonzept gegeben und es sei zu spät informiert worden. „Die Deutsche Bahn muss sich auch fragen lassen, ob sie bei der Tunnelbaustelle in Rastatt angesichts der Bedeutung der Strecke nicht ein zu hohes Risiko eingegangen ist“, teilte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mit.

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