Laufenburg Speicher-Projekt wankt

So soll das geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf aussehen. Im Hintergrund das bereits bestehende Hornbergbecken. Visualisierung: Schluchseewerk AG
So soll das geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf aussehen. Im Hintergrund das bereits bestehende Hornbergbecken. Visualisierung: Schluchseewerk AG
Laufenburg / PETRA WALHEIM 29.03.2012
Das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf wird es vor 2022 nicht geben - wenn überhaupt. Die Schluchseewerk AG fordert bessere Bedingungen für den Betrieb des Speichers. Der sei sonst nicht wirtschaftlich.

Offenbar ist es gar nicht mehr so sicher, dass das umstrittene Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Kreis Waldshut gebaut wird. Der Investor, die Schluchseewerk AG in Laufenburg, ließ gestern verlauten, unter den jetzigen Bedingungen könne das Kraftwerk nicht wirtschaftlich betrieben werden. Sollte sich daran nichts ändern, "ist Atdorf gestorben", sagte Stefan Vogt, kaufmännischer Vorstand der AG.

Die Schluchseewerk AG plant, im Hotzenwald ein Pumpspeicherkraftwerk (PSW) zu bauen. Dafür müssen zwei Becken gebaut werden, die gigantische Ausmaße haben sollen. Die AG will dafür mehr als eine Milliarde Euro investieren. Sie rechtfertigt das Projekt damit, dass mit diesem Werk anfallende Strom- Überschüsse gespeichert werden können. Auch Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lässt keinen Zweifel daran, dass zur Speicherung von Ökostrom mehr Speicherbecken gebaut werden müssen. Doch nach Meinung der Verantwortlichen der Schluchseewerk AG müssen für deren Betrieb die Bedingungen geändert werden.

Das Grundproblem: Stromspeicher sind für die Energiewende zwar dringend nötig - doch für gespeicherten Strom gibt es keinen Preis-Bonus. Änderungen beim Netznutzungsentgelt und der Umlage nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) reichen nach Ansicht Vogts nicht aus. Durch eine Novellierung des Energiewirtschafts-Gesetzes Ende 2011 seien neue Speicher zwar von Netznutzungsentgelten für 20 Jahre befreit, falls sie bis 2026 in Betrieb gingen. Möglicherweise falle auch die EEG-Umlage im nächsten Monat, hofft Vogt. Er sieht das Hauptproblem aber im Marktumfeld. Das müsse sich ändern, "das ist so, wie es ist, relativ ungünstig". Vor allem der Ausbau der Photovoltaik schmälere den Gewinn der Pumpspeicher-Kraftwerke.

Das meinte Vogt mit dem "ungünstigen Marktumfeld": Immer mehr Photovoltaikanlagen produzieren immer mehr Strom und verderben den Pumpspeicherkraftwerken das Geschäft. "Die Erfolgsstory der Photovoltaik hat alle überrascht", sagte Vogt. Die Anlagen auf Dächern und Wiesen erzeugen inzwischen so viel Strom, dass damit der erhöhte Bedarf etwa in der Mittagszeit gedeckt werden kann. Das hatten sonst die Pumpspeicherkraftwerke übernommen. Sie arbeiten nur rentabel, wenn sie zu Überschusszeiten - vor allem nachts - billig eingekauften Strom speichern und ihn bei starker Nachfrage zu hohen Preisen verkaufen. Das war bisher vor allem in der Mittagszeit der Fall - doch da laufen auch Solaranlagen auf Hochtouren. Und das EEG schreibt vor, dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind vorrangig ins Netz darf. Damit kommen Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr zum Zug.

Bei der Schluchseewerk AG hat sich der Gewinn nach Vogts Auskunft seit 2006 mehr als halbiert. "Die Investitionskosten für das Pumpspeicherkraftwerk sind aber gleich geblieben", betonte er. Angesichts dieser Lage müsse das Projekt überdacht werden. Bei RWE und ENBW, den Muttergesellschaften der Schluchseewerk AG, genieße das Projekt Atdorf noch immer "sehr großes Ansehen", betonte Vogt. Trotz der Zweifel an der Wirtschaftlichkeit werde mit gestrecktem Zeitplan weiter geplant.

Ursprünglich sollte das PSW 2019 fertig sein, nun will sich die AG bis 2022 Zeit lassen. Im dritten Quartal 2012 sollen die Planfeststellungsunterlagen eingereicht werden. Für 2014 wird der Bauentscheid erwartet. Bis dahin müsse klar sein, ob sich das Kraftwerk rechnet, sonst werde mit dem Bau erst gar nicht angefangen, sagte Projektleiter Christoph Giesen.

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