Stuttgart Schlechte Noten für Integration behinderter Schüler

Ein Junge in einem Rollstuhl in einer Schulklasse. Foto: Uwe Anspach/Archiv
Ein Junge in einem Rollstuhl in einer Schulklasse. Foto: Uwe Anspach/Archiv © Foto: Uwe Anspach
Stuttgart / DPA 08.06.2018

Die SPD-Landtagsfraktion zweifelt am politischen Willen der CDU und der Schulverwaltung, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Schülern (Inklusion) voranzutreiben. Mit einem Zehn-Punkte-Programm will die oppositionelle SPD Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Beine machen. „Im Schulalltag klaffen Anspruch und Wirklichkeit noch auseinander“, sagte der SPD-Fraktionschef und ehemalige Kultusminister Andreas Stoch in Stuttgart. Er betonte aber auch, Inklusion auf Knopfdruck könne es nicht geben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Inklusion indes vor dem Scheitern.

GEW-Landeschefin Doro Moritz klagte: „Inklusion ist das Thema, bei dem ich mich am meisten dafür schäme, wie stiefmütterlich Grüne und CDU in der Landesregierung, aber auch viele Gemeinden und Städte in unserem wohlhabenden Land damit umgehen.“ Kinder mit Beeinträchtigungen erhielten sowohl in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), ehemals Sonderschulen, als auch in Regelschulen meist eine schlechtere Förderung als noch vor wenigen Jahren. Die Landesregierung spare auf dem Rücken der betroffenen Kinder, deren Eltern und der engagierten Lehrkräfte.

Die Sozialdemokraten wollen mit ihren zehn Forderungen die Lage verbessern. Unter anderem sollen Schulen die derzeit 120 nicht besetzten Stellen für Sonderpädagogen in andere Unterstützung, etwa durch pädagogische Assistenten, ummünzen können. Stoch regt zudem einen Modellversuch mit multiprofessionellen Teams an, zu denen neben den Lehrern Schulbegleiter, Ergotherapeuten oder Schulpsychologen gehören können. Überdies sollen nach dem Willen der SPD alle Schulen Inklusionsentwicklungspläne erstellen. Darin sollen der Umgang mit der immer vielfältigeren Schülerschaft und die dafür nötigen Mittel festgelegt werden. Zudem müsse langfristig das Zwei-Pädagogen-Prinzip in allen inklusiven Klassen durchgesetzt werden. Die GEW vermutet dass sich das Land von diesem Tandem-Unterricht bereits verabschiedet hat.

Unter Stochs Ägide war die Sonderschulpflicht aufgehoben worden. Seit 2015 haben die Eltern behinderter Kinder die Wahl zwischen SBBZ und den allgemeinbildenden Schulen. Im Schuljahr 2016/17 hatten fast 57 300 Kinder oder fünf Prozent der Schülerschaft im allgemeinbildenden Bereich einen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot. Von diesen besuchen 85 Prozent SBBZ und 14 Prozent allgemeinbildende Schulen, insbesondere Grundschulen. Letzteres entspricht etwa 7500 Kindern, deren Zahl nach Prognose der SPD auf 11 000 Kinder im Schuljahr 2022/23 steigen wird. Das entspräche dann einer Inklusionsquote von 28 Prozent.

Die Inklusion leidet unter einem deutlichen Fachkräftemangel. Deshalb müssten Studienplatzkapazitäten erhöht sowie Aufbaustudiengänge und Fortbildungen ausgebaut und beworben werden, sagte Stoch.

Ministerium zu Inklusion

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