Land am Rand Spatzendreck mit Sauerkraut

Stellenbosch/Tettnang / Hans Georg Frank 13.06.2018

Die Welt ist klein, erfahren Reisende auch in Südafrika. In der Ferne stoßen sie auf Spuren aus der Heimat. In Stellenbosch, dem wohl bekanntesten Weinort der Kapregion, gibt es das Weingut Delheim, das mit „Gemütlichkeit“ in seinem Restaurant wirbt. Natürlich stehen auf der Appetit anregenden Speisekarte „German Bratwurst“ samt dem obligatorischen Sauerkraut. Jetzt, wenn an der Spitze Afrikas bald der Winter heraufzieht, wird auch Glühwein gereicht.

Auffälliger allerdings ist bei Delheim das Angebot an vorzüglichen Weinen. Dazu gehören eine Spätlese namens „Edelspatz“ und eine etwa halb so süße Cuvée, die mit großem Erfolg als „Spatzendreck“ vermarktet wird. Diese gerade in Afrika eher ungewöhnlichen Bezeichnungen sind einem Mann aus Tettnang zu verdanken sind. Michael Hans Sperling (1930 – 2017) wanderte 1951 aus, weil er für sich im Bodensee-Hinterland keine positive Perspektive erkennen konnte. „Spatz“, so sein Spitzname, baute mit wenig Erfahrung das Weingut einer befreundeten Familie auf. Seine önologische Ausbildung beschränkte sich auf das Entkorken und Verkosten einer Flasche Wein in Tettnang.

Einer der ersten Weine geriet so miserabel, dass der Verkoster ziemlich angewidert reagierte: „Oh Spatz, das ist wirklich Dreck.“ Später, als die Qualität stimmte, besann sich „Spatz“ auf dieses wenig schmeichelhafte Urteil und ließ es auf die Etiketten drucken. Den Schmäh-Titel „Schlechtestes Etikett der Welt“ von einem Fachmagazin empfand der knitze „Spatz“ als Lob.

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