Urteil Sohn muss in Haft für Tod der Mutter

Heilbronn / Hans Georg Frank 01.08.2018
Das Landgericht Heilbronn verurteilt einen 21-Jährigen, der seine tote Mutter im Neckar „entsorgen“ wollte.

Zehn Jahre muss ein 21-Jähriger in Haft, weil er seine Mutter erdrosselt hat. Das Landgericht Heilbronn verurteilte ihn wegen Totschlags, Merkmale für einen Mord wurden nicht gefunden. „Selten ist es uns schwerer gefallen bei einem vollendeten Tötungsdelikt eine gerechte Bewertung zu finden“, kommentierte der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth die Entscheidung.

Vincent Z. hatte im November 2017 seine Mutter Evita (52) in Heilbronn getötet. Ein zunächst verbaler Streit um die Wohnung der Frau, die der Sohn für sich beanspruchte, war eskaliert. Die Frau soll mit einem Verlängerungskabel nach dem Mann geschlagen haben. Er soll es um den Hals der Frau gelegt und „mindestens drei Minuten mit äußerster Wucht und Gewalt“ gezogen haben, sagte der Richter. Der Angeklagte ist zwar stämmig aber er brauchte viel Kraft, um die 1,75 Meter große und 82 Kilo schwere Frau zu überwältigen.

„Was für Missgeburten habe ich groß gezogen“

Dem Verbrechen sei ein „spontaner Entschluss“ zugrunde gelegen. In der Beweisaufnahme stellte sich heraus, dass Vincent und sein Halbbruder Leonhard unter schlimmsten Verhältnissen aufgewachsen sind: „Vernachlässigung, Misshandlungen, Einsperren bei Nahrungsentzug, Beleidigungen, körperliche Gewalt“, zählte Kleinschroth auf. Die Frau sei psychisch krank gewesen. Eine Gutachterin erkannte „eine emotional instabile Störung vom impulsiven Typ“. Dem Sohn hielt die Mutter im Streit vor: „Ich hätte dich lieber abtreiben oder verrecken lassen sollen.“ Kurz vor ihrem Tod schrieb sie eine SMS: „Was für üble Missgeburten habe ich liebevoll groß gezogen.“ Das Sorgerecht hatte jahrelang die Großmutter.

Die Leiche der Frau wickelte der Täter in eine Decke, brachte sie in einem geliehenen Auto eines ahnungslosen Freundes an den Neckar im 40 Kilometer entfernten Guttenbach. Dabei, so das Gericht, habe er gehofft, dass die Tote vom Fluss mitgerissen und möglichst spät entdeckt würde, um die Identifizierung zu erschweren. Bei dieser „Entsorgung“ hatte die Freundin geholfen. Gegen sie erging ein Strafbefehl über 4500 Euro wegen versuchter Strafvereitelung.

„Menschliche Abgründe“

Bei der Strafzumessung sei die „familiäre Geschichte“ berücksichtigt worden, sagte der Richter: „Das sind menschliche Abgründe, die man kaum für möglich hält.“ Andererseits habe der Sohn seine Mutter „kaltblütig erdrosselt“, danach mit Freunden gefeiert: „Die Tötung der Mutter hat er als befreiend erlebt.“

Vincent Z. verfolgte die über einstündige Urteilsbegründung mit gesenktem Kopf. Eine Gefühlsregung war nicht erkennbar. Richter Kleinschroth hatte ihm noch erklärt: „Gerade dieses Verfahren hat bewiesen, wie wichtig eine funktionierende Familie ist.“

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