„Der Kreis Ravensburg ist schon stark im Biolandbau, aber es geht noch besser“, sagt Gedeon Güldenberg, Biolandwirt aus dem oberschwäbischen Schlier. Noch mehr Bio in Baden-Württemberg, das sollen die vier Bio-Musterregionen schaffen, die 2018 gestartet sind: Der Kreis Ravensburg, Konstanz/Bodensee, der Enzkreis und Heidenheim mit Ostalbkreis-Gemeinden.

Noch diesen Januar sollen neue Musterregionen dazukommen. Bis zu acht können es nach Angaben des Ministeriums für ländlichen Raum. Die Bewerbungsfrist lief bis 21. Dezember.

Das Land zahlt 75 Prozent der Personalkosten fürs Regionalmanagement, Arbeitsplatzkosten und Sachmittel. „Das Management soll auf die zahlreichen Fördermöglichkeiten im Agrarsektor und für das Ernährungsgewerbe verweisen, damit diese bestmöglich für mehr Bio genutzt werden“, sagt ein Ministeriumssprecher. Seit Jahren steige die Zahl der Öko-Betriebe im Südwesten, auch die Öko-Fläche wachse. 11.000 Unternehmen im Lebensmittelsektor sind bei der Öko-Kontrollstelle gemeldet. Mit so einer Basis und dem Wachstumspotenzial, das da sei, werde das Land seinen Beitrag zum 20-Prozent-Ökolandbau-Ziel des Bundes „sicher leisten können“.

Förderung des ökologischen Landbaus

„Für die Bio-Musterregionen verdient das Land Lob“, sagt Jochen Goedecke vom Naturschutzbund Nabu, „das ist eine gute Sache.“ Dass weitere Regionen folgen, sei „ein gutes Zeichen“, sagt Christian Eichert von der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AÖL). Es seien „spannende Projektansätze erkennbar“, mit denen Öko-Landbau mit Bereichen wie Tourismus und Gastronomie, aber auch mit Wasserwerken, die an gesundem Trinkwasser interessiert sind, sinnvoll verknüpft werden kann“. Jenseits der regionalen Ansätze müsse aber deutlich mehr für die Förderung des ökologischen Landbaus passieren, so Eichert. So hinke Grün-Schwarz beim Umsetzen ihrer Aussagen aus dem Koalitionsvertrag teilweise deutlich hinterher. Damit das Ziel von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 noch sinnvoll zu erreichen ist, will die AÖL im Januar einen umfangreichen Maßnahmenplan vorlegen.

Auf dem Plan der Bio-Musterregion Enzkreis stehen schon das „Nadelöhr Weiterverarbeitung“, bessere Bio-Vermarktung und „Schützen durch Nützen“, so Marion Mack, Regionalmanagerin der Musterregion. Geplant ist ein „Umsteller-Wettbewerb, der konventionelle Landwirte für Bio gewinnen soll. 2017 lag der Anteil der Öko-Betriebe im Enzkreis bei 10,7 Prozent. Seit 2011 ist die Zahl von 35 auf 59 gestiegen. Noch mehr Öko-Aufschwung soll das Vernetzen der „Bio-Akteure“ bringen.

„Bessere Vernetzung aller Bio-Akteure über die ganze Wertschöpfungskette bis zum Verbraucher“, nennt auch Johanna Böll von der Bioregion „Heidenheim plus“ als wichtiges Ziel. Da gab es bei einem Treffen sogar schon einen trinkbaren Erfolg: Eine Härtsfelder Brauerei bezieht für ihr bio-regionales Bier jetzt zu 100 Prozent Bio-Braugerste aus der Musterregion.

„Vernetzungen und Kooperationen anregen“, das will auch Bernadette Kiesel, die Ravensburger Regionalmanagerin. „Die „Menschen in der Region erreichen“, nennt sie als weiteres Ziel. Und: „Die Wertschöpfungskette Fleisch unterstützen.“ Zwölf Prozent der Höfe im Kreis Ravensburg wirtschaften biologisch, die Öko-Flächen machen schon mehr als 14 Prozent aus. Rindvieh und Milchkühe sind Schwerpunkt. Deshalb kümmert sich die Musterregion nun um die Vermarktung der männlichen Biokälber. Die wurden bisher nur konventionell vermarktet. Das soll sich ändern.

„Die Biolebensmittel aus der Region soll es nicht nur im Bioladen geben“, sagt Landwirt Güldenberg. „Auch beim Edeka oder im Dorfladen.“ Und in Gastronomie und Schulmensen soll mehr Bioware aus Oberschwaben serviert werden, sagt der Bio-Landwirt.

Ein Vorreiter

Güldenberg gehört zur Lenkungsgruppe der Musterregion mit Vertretern des Landkreises, des Bauernverbands, der Bio-Verarbeiter, Öko-Landwirte und Öko-Anbauverbände. Der Landwirt hat 1999 auf dem Rösslerhof begonnen, zu dem inzwischen 125 Hektar eigenes und gepachtetes Land gehört, von der Familie bewirtschaftet nach strengen Biolandrichtlinien, mit Milchvieh und Rinderhaltung, Ackerbau und Streuobst. Schon 1981 hatte Güldenbergs Vorgänger auf biologisch-dynamisch umgestellt. Der Rösslerhof war der erste im Landkreis. Heute hat Ravensburg 341 Ökobetriebe, zwölf Prozent aller Höfe. Es sollen mehr werden.

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Vier machen den Anfang im Südwesten


10,2 Prozent der Betriebe im Südwesten waren 2017 Bio-Höfe laut Agrarministerium. Vier Bio-Musterregionen hat das Land bisher: die Landkreise Bodensee und Konstanz, der Kreis Ravensburg, der Enzkreis sowie  die Region Heidenheim plus mit dem Landkreis  Heidenheim und Bartholomä, Essingen, Heubach, Neresheim und Oberkochen im Ostalbkreis.

11,7 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Land werden ökologisch bewirtschaftet. Dass der Anteil weiter wächst, dafür sollen auch neue Bio-Musterregionen  sorgen. Vor Weihnachten endete die zweite Bewerbungsrunde. Demnächst will das Ministerium bekanntgeben, welche Regionen eine Jury mit Experten aus dem Öko-Landbau, der Politik und der Verwaltung ausgewählt hat. Bis zu acht Regionen können hinzukommen. aw