Waldwirtschaft So werden Drohnen im Schwarzwald genutzt

Forstwissenschaftler Uli Riemer (links) zeigt Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) eine Drohne für den Einsatz im Wald. Geplant ist, die Geräte zum Beispiel für die Suche nach vom Borkenkäfer befallenen Bäumen einzusetzen.
Forstwissenschaftler Uli Riemer (links) zeigt Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) eine Drohne für den Einsatz im Wald. Geplant ist, die Geräte zum Beispiel für die Suche nach vom Borkenkäfer befallenen Bäumen einzusetzen. © Foto: Patrick Seeger
Unterstmatt / Petra Walheim 27.08.2018

Die Drohne steht surrend in der Luft. Uli Riemer, Forstwissenschaftler bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), lässt sie steigen und sinken. Schickt sie ein Stück ins Gelände und holt sie wieder zurück. Bei einem Demonstrations-Termin am Hochkopf bei Unterstmatt (Kreis Rastatt) im Nationalpark Schwarzwald zeigt er, was mit dem Gerät möglich ist. Zuvor hatten Experten erläutert, dass Drohnen verstärkt in der Forst- und Landwirtschaft sowie im Weinbau eingesetzt werden – oder künftig eingesetzt werden sollen. „Viele der Einsatzmöglichkeiten stecken noch in der Versuchsphase. In zwei Jahren sind wir weiter“, sagt Uli Riemer.“

Die Suche nach Lebensräumen für das Auerwild ist ein Bereich, in dem Drohnen eingesetzt werden sollen. Das ist dringend nötig, denn die Bedingungen für das Auerwild verschlechtern sich dramatisch. Das wirkt sich direkt auf den Bestand aus. Der schrumpft seit Beginn des Monitorings der FVA im Jahr 1993 kontinuierlich, seit 2013 sogar rapide. Nach Auskunft von Rudi Suchant von der FVA wurden in den 1990er Jahren im Schwarzwald noch 500 Hähne gezählt. Die Zahl sank bis 2012 auf 300 Hähne. „Seit 2013 geht der Bestand steil nach unten.“ Aktuell seien noch 165 Hähne im Wald. „Unser Ziel ist, den Bestand wieder auf 300 Hähne zu bringen und zu halten“, sagt Forstwissenschaftler Suchant.

Dafür müsse Lebensraum für den scheuen Vogel geschaffen werden. Auerwild braucht luftige Strukturen, Lichtungen im Wald, auf denen Heidelbeeren und andere niedrige Sträucher wachsen. Weil die ohne Zutun des Menschen nicht erhalten bleiben, sondern zuwachsen, müssen sie geschaffen und gepflegt werden.

Um das umsetzen zu können, wurde schon vor Jahren der „Aktionsplan Auerhuhn“ erstellt und zusätzlich im November 2017 das Projekt „Lücken für Auerhuhn-Küken im Privat- und Kommunalwald“ gestartet. Damit soll die Freiflächen-Kampagne des Landesbetriebs ForstBW über den Landeswald hinaus auf alle Waldbesitzer ausgedehnt werden. Als Anreiz, Freiflächen zu schaffen, werden den Waldbesitzern Fördergelder angeboten.

Die Bemühungen, im dichten Nordschwarzwald mehr Freiflächen für das Auerwild zu schaffen, waren nach Auskunft von Suchant bislang  nicht so erfolgreich wie erhofft. Deshalb soll die Suche intensiviert werden. Um lichte Strukturen im Wald zu finden, die als Lebensraum  für das Auerwild ausgeweitet werden können, werden auch Drohnen eingesetzt. „Wir untersuchen aktuell 15 Freiflächen im Schwarzwald mit Drohnen“, sagt Suchant.

Auch in der Borkenkäfer-Bekämpfung sollen künftig Drohnen eingesetzt werden. Mit einer speziellen Kamera ausgestattet, sollen mit Hilfe der Fluggeräte Bäume erkannt werden können, die vom Käfer befallen sind. Zukunftsmusik ist auch noch der Einsatz von Drohnen zur Notfall-Alarmierung. „Das kann Waldarbeitern das Leben retten“, sagt Uli Riemer.

Das Prinzip ist, dass jeder Waldarbeiter-Trupp eine Drohne dabei hat. Tritt ein Notfall ein, kann die losgeschickt werden. Sie sollte ihren Weg autonom durch das Geäst finden, über den Baumwipfeln schweben und als Verstärkung des oft nur schwach vorhandenen Handy-Netzes dienen. Auf diesem Weg sollen Rettungsdienste alarmiert werden können. „Aber auch diese Idee steckt noch in der Pipeline und muss erst noch ausreifen“, sagt Riemer.

In der Landwirtschaft soll die Drohne dabei helfen,  dass auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann. Darüber informierte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). In Maisfeldern, in denen Schädlinge ihr Unwesen treiben, soll sie gezielt biologische Bekämpfungsmittel ausbringen. Ähnliches ist für den Weinbau angedacht. Dort sollen Pflanzenschutzmittel in möglichst geringer Dosis und ganz gezielt von Drohnen ausgebracht werden. Außerdem sollen sie die Arbeit in extrem steilen Lagen erleichtern.

Technik für die Inventur des Waldes

Ein Vorteil des Drohnen-Einsatzes ist, dass das Gerät nicht nur Bilder der Landschaft festhalten, sondern eine Vielzahl an Daten liefern kann. Die können mit anderen Daten vernetzt und verarbeitet werden. So  ist geplant, Drohnen in nicht allzu ferner Zukunft für die Inventur des Waldes einzusetzen. Dafür muss sie Baumarten und -höhen erkennen können. Das ist noch in der Entwicklungsphase, ebenso wie das Erkennen von Käferbefall.

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