Krankenhaus Smartphone-App kann Kranken helfen

App-Kontakt zur Klinik.
App-Kontakt zur Klinik. © Foto: Durch ChooChin 581399437 doctor's hand holding tablet / smart phone show patient monitor / EKG / ECG online data, Telemedicine , Medical technology concept Download am 12.02.2018 für SWUM Foto: © ChooChin/Shutterstock.com
Ulm/Stuttgart / Martin Hofmann 13.02.2018

Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens „geht es um Kosten, Zeit und Qualität“, sagt Professor Manfred Reichert. Der Wirtschaftsmathematiker ist Direktor des Instituts für Datenbanken und Informationssysteme an der Universität Ulm. Er denkt zunächst nicht an künftige Chancen der medizinischen Forschung, aus Daten abzuleiten, ob sich ein Mensch infiziert und dies noch nicht bemerkt hat.­

Reichert denkt an den Alltag in Kliniken, Arztpraxen und Privathaushalten und eine alternde Gesellschaft. Deshalb plädiert er dafür, Ärzte und Pfleger mithilfe der Informationstechniken von Arbeit zu entlasten, um sich den Kranken zuzuwenden – unter Wahrung des Datenschutzes.

Beispiele: Patienten werden zu einer Darmspiegelung einbestellt. Fünf bis zehn Prozent haben aber vergessen, dass ihr Darm vollständig entleert sein muss. Die Untersuchung kann nicht stattfinden oder muss abgebrochen werden. Um dies zu vermeiden, könnte eine Handy-App dem Patienten mitteilen: „Ab jetzt darfst Du nichts mehr essen.“ Daten über den täglichen Verlauf eines Tinnitus oder einer Migräne könnten den Behandlern enorm helfen, die richtige Therapie zu entwickeln. Viele verschiedene IT-Systeme laufen in einer Klinik parallel. Wollen Arzt oder Krankenschwester den Überblick behalten, müssen sie viel Zeit aufwenden. Mögliches Ergebnis:  „Der Patient sitzt drei Tage im Krankenbett, und es tut sich nichts.“

Der Informatiker fordert daher eine konzertierte Aktion aller Akteure im Gesundheitswesen, um dieses auf den aktuellen Stand der Digitalisierung zu bringen. „Ein Heimatministerium statt eines für Digitalisierung“ zu etablieren, hält er eindeutig für das falsche Signal. Zwar würde der Staat Fördermittel bereitstellen. „Dies wirkt aber eher wie der Tropfen auf dem heißen Stein“, moniert Reichert. Kliniken müssten, um Gelder zu erhalten, sich dem Wettbewerb unterwerfen, den es da nicht geben dürfe. Die Frage, wie man mit weniger Personal eine ältere und tendenziell auch kränkere Gesellschaft versorgt, werde so nicht beantwortet.