Ravensburg Skurriler Gerichtstreit: Mediziner fordert von Impfgegener Geld für Erreger-Nachweis

David Bardens (rechts) fordert 100 000 Euro für eine gewonnene Wette. Anwalt Andreas Manok vertritt ihn vor dem Landgericht Ravensburg.
David Bardens (rechts) fordert 100 000 Euro für eine gewonnene Wette. Anwalt Andreas Manok vertritt ihn vor dem Landgericht Ravensburg. © Foto: Lisa-Maria Müller
Ravensburg / LISA-MARIA MÜLLER 11.04.2014
Impfgegner Stefan Lanka versprach 100.000 Euro für einen Nachweis, dass Masernviren existieren - jetzt weigert er sich das Geld zu zahlen. Seit Donnerstag steht er deshalb vor dem Landgericht Ravensburg.

Großer Medienrummel im Gerichtssaal - selten erlebte in Ravensburg ein Prozess so viel Aufmerksamkeit. Als Stefan Lanka den Raum betritt, mochte man kaum glauben, dass dieser ruhig wirkende Mann der kompletten Schulmedizin den Kampf ansagt. Der promovierte Biologe aus dem schwäbischen Langenargen ist der Ansicht: Krankmachende Viren gibt es nicht. Auch keine Masern-Viren.

Seine Überzeugung geht so weit, dass er Ende 2011 ein lukratives Angebot veröffentlichte: Derjenige, der beweisen könne, dass ein Masernvirus wirklich existiert, erhält von ihm 100.000 Euro. Bedingung: Er muss einen Fachartikel finden, der zum einen die Existenz beweist und zum anderen den Durchmesser dieses Masernvirus nennt.

Nichts leichter als das, dachte sich David Bardens, zu dieser Zeit noch Medizinstudent in Homburg. So recht glauben konnte er den Aufruf zwar zunächst nicht. Nachdem er sich aber schriftlich hatte bestätigen lassen, dass die Ausschreibung ernst gemeint war, machte er sich ans Werk. In der Unibibliothek wurde er schnell fündig. Zahlreiche Fachartikel mit den "geforderten" Inhalten schickte er an Lanka - inklusive seiner Bankdaten.

Bis heute ist auf seinem Konto von den 100.000 Euro jedoch keine Spur. Warum? "Weil er die Bedingungen des Preisausschreibens nicht erfüllt hat", sagt Lanka. Die Abbildungen zeigen seiner Meinung nach keine Masernviren. Zudem hätte er in seiner Ausschreibung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Publikation vom Robert-Koch-Institut stammen müsse.

Bardens sieht das anders: "Ich habe keinen solchen Hinweis entdecken können." Nach mehreren Mahnungen klagte er Lanka an. Auf Nachfrage des Gerichts, ob die beiden denn auch mit einer gütlichen Einigung einverstanden seien, ließen sowohl Lanka als auch Bardens über ihre Anwälte mitteilen, dass sie den Sachverstand gerichtlich klären lassen wollen. Nun liegt es in der Entscheidung des Landgerichts, ob Bardens die Kriterien der Ausschreibung erfüllt hat. Der Verkündungstermin wurde auf Donnerstag, 24. April, gesetzt.

Sollte Bardens den Prozess gewinnen und die 100.000 Euro erhalten, will er das Geld teilweise an Impfkampagnen in Entwicklungsländern spenden. Er könne "dieses verantwortungslose Verhalten nicht mehr ertragen", dass Lanka andere davon überzeugen will, eine Impfung wäre nutzlos. "Ich selbst habe mitbekommen, wie ein Mädchen an einer Masern-Folgeerkrankung gestorben ist", sagt Bardens.

Das Mädchen sei im ersten Lebensjahr angesteckt worden, in dem man noch nicht gegen die Masern geimpft werden kann. "In dieser Zeit müssen sich Eltern darauf verlassen, dass die Personen in der Umgebung einen zuverlässigen Impfschutz haben." In Deutschland ließen sich laut Bardens allerdings immer weniger Menschen gegen Masern impfen. Die Schuld dafür gibt er Menschen wie Lanka.

Auch der Regensburger Virologe Wolfgang Jilg hält es für problematisch, dass ein promovierter Naturwissenschaftler öffentlich "derartig krude, allen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechende" Aussagen machen darf. Er befürchtet, dass solche Aussagen "zwar von Wissenschaftlern nicht ernst genommen werden, auf Laien aber doch gelegentlich Eindruck machen".

Doch Lanka scheint nicht nur viele Kritiker, sondern auch Anhänger zu haben. Das zeigt der Applaus, als er nach der kurzen Verhandlung vor Kameras erneut seine Kernthese erklärt: "Impfen kann nicht helfen, sondern nur schaden."

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