Verkehrsminister Winfried Hermann spricht von einem Durchbruch beim geplanten Ausbau der Rheintalbahn. Die Bürgerinitiativen sehen es ähnlich. "Wir haben etwas geschafft, was vor wenigen Monaten noch undenkbar schien." So wird Hermann in einer Pressemitteilung seines Ministeriums zitiert. Der Grund: In der Sitzung des Projektbeirats gestern in Berlin ist eine Einigung erzielt worden. Die sieht so aus, dass Bund und Land je zur Hälfte die Mehrkosten für einen verbesserten Lärmschutz entlang der viergleisig ausgebauten Rheintalbahn im Bereich Freiburger Bucht und im Markgräflerland übernehmen. Die Obergrenze für die Mehrkosten liegt bei 250 Millionen Euro.

"Es ist uns gelungen, Lösungen für die schwierigsten Konfliktstellen zu erarbeiten", sagte Hermann. Es gebe nun einen klaren Rahmen für den Ausbau in der Freiburger Bucht und im Markgräflerland: Bei Freiburg ist eine Güterzug-Trasse geplant. Entlang der Trasse sollen die von der Deutschen Bahn AG vorgesehenen Lärmschutzwände verlängert und erhöht werden. Die Trasse selbst soll durchgehend parallel zur Autobahn 5 verlaufen und etwas tiefer gelegt werden. Im Markgräflerland hat sich die Bürgertrasse durchgesetzt. Entgegen der Planung der Deutschen Bahn AG wird sie aus Lärmschutzgründen tiefer gelegt.

Für die Güterumfahrung Freiburg seien 84 Millionen Euro vorgesehen, für die Bürgertrasse mit der tiefer gelegten Strecke im Markgräflerland 166 Millionen Euro. Darüber informierte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Dieter Scheurle. Beide Abschnitte sollen bis 2020 fertig sein. Der Zeitraum gilt zwar als ehrgeizig, aber auch als realistisch.

"Entscheidend für den Durchbruch in den Gesprächen war die Bereitschaft von Bund und Land, die zusätzlichen Mittel für den Bau einer menschen- und umweltfreundlichen Trasse bereitzustellen", betonte Hermann. Dabei habe "sehr geholfen, die Unterstützung des gesamten Landtags zu haben".

"Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", sagte gestern Manfred Wahl, Vorsitzender der Bürgerinitiative Bahntrasse Offenburg. Diese BI ist, wie viele andere auch, Mitglied in der Interessengemeinschaft Bahnproteste an Ober- und Hoch-Rhein (IG Bohr). Deren Sprecher, Roland Diehl, sitzt mit Vertretern von Bund, Land, Bahn sowie Kreisen und Kommunen im Projektbeirat. Wahl wertet die Einigung im Projektbeirat als Sieg der Bürger im Kampf um einen besseren Lärmschutz. Der viergleisige Ausbau an sich ist wenig umstritten. Die Bürger sehen ein, dass es sein muss. Schließlich ist die Rheintalbahn eine der wichtigsten Nord-Süd-Trassen im deutschen und europäischen Schienensystem, besonders für den Güterverkehr. Sehr wohl umstritten sind die Pläne zur Trassenführung für die zwei neuen Gleise, die die Bahn vorgelegt hat.

In Offenburg zum Beispiel sollten die neuen Gleise mitten durch die Stadt führen. Offiziell hat diese Trasse noch Bestand. Doch es ist davon auszugehen, dass sich die Verantwortlichen auf eine Tunnellösung einigen. Probebohrungen haben schon stattgefunden, und nach Auskunft von Manfred Wahl steht fest, wo ein Tunnel gebaut werden könnte. Entschieden sei aber noch nichts. Er hofft, dass in der nächsten Sitzung des Projektbeirats im Herbst weitere Fortschritte auch in dieser Frage erzielt werden.