Hinter einer bundesweiten Serie von Drohschreiben mit rechtsextremem Hintergrund an Behörden und andere Einrichtungen soll ein Schleswig-Holsteiner stehen. Staatsanwaltschaft und Polizei in Berlin teilten am Freitag mit, der Mann stehe im Verdacht, Verfasser zahlreicher Mails mit Bombendrohungen zu sein. Im Norden waren die Landgerichte Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe ebenso betroffen wie das Hamburger Hotel „Atlantic“, die Rathäuser in Flensburg und Rendsburg sowie der Lübecker Hauptbahnhof. Die Gebäude wurden geräumt. Schlimmes geschah nirgends, Sprengkörper wurden nicht gefunden.

Bei Behörden in ganz Deutschland waren mehr als 200 Mails mit massiven Drohungen eingegangen. Unterschrieben waren sie mit „NSU 2.0“ oder „Nationalsozialistische Offensive“. Dem nun ermittelten Verdächtigen ordnet die Polizei zumindest einen Teil der Mails zu.

Kriminalpolizisten aus Berlin und Schleswig-Holstein durchsuchten am Donnerstagnachmittag die Wohnung des Verdächtigen in Schleswig-Holstein und beschlagnahmten Computer und Handys, wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte.

Nach Informationen von NDR und „Hamburger Abendblatt“ soll die Wohnung in Halstenbek (Kreis Pinneberg) wenige Kilometer nordwestlich von Hamburg liegen. Bürgermeister Claudius von Rüden sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es gab im Zusammenhang mit den Drohschreiben polizeiliche Maßnahmen in Halstenbek“. Polizei und Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein gaben unter Hinweis auf die Zuständigkeit der Berliner Staatsanwaltschaft keine Auskünfte.

Der Verdächtige wurde nicht festgenommen. Es gehe um einen „Anfangsverdacht“ in einem sehr großen Ermittlungskomplex mit mehr als 200 Mails, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin. Weder das Alter noch die Staatsangehörigkeit des Verdächtigen wurden mitgeteilt. Es gehe um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, hieß es weiter.

Nach Informationen des NDR soll der Mann Anfang 30 sein und die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Laut dem ARD-Hauptstadtstudio soll eine Kette von Indizien die Polizei zu ihm geführt haben. Aus Ermittlerkreisen in Berlin hieß es, er sei psychisch labil, möglicherweise verwirrt. Er soll demnach vor Jahren wegen verschiedener Gewalttaten verurteilt worden sein.

Die Mails, die seit April 2018 verschickt wurden, seien unter anderem mit „Nationalsozialistische Offensive“ unterzeichnet gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Sie gingen demnach an Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt federführend. Beteiligt war auch das Bundeskriminalamt.

Ob die komplette Serie aller Drohungen aus den Jahren 2018 und 2019, die bei Finanzämtern, Rathäusern, Anwaltskanzleien, Verlagen und einzelnen Politikern in ganz Deutschland eingingen, auf das Konto des Verdächtigen gehen könnte, soll mit Hilfe der beschlagnahmten Beweise untersucht werden. Daraus ergebe sich, „ob sich der Tatverdacht gegen den Beschuldigten erhärten lässt“, hieß es.

Unterzeichnet wurden weitere Mails zum Teil auch mit „Wehrmacht“ oder „RAF“. Betroffen waren öffentliche Einrichtungen auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland. Gedroht wurde mit Bomben oder - wie im Fall der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) - damit, „Bürger auf offener Straße zu exekutieren“.

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