Ein Roboter tastet sich durch den zerstörten Atomreaktor. Er steigt eine Leiter hinauf, öffnet eigenständig Türen, überwindet Hindernisse und gelangt schließlich zu den Ventilen, die er öffnen soll. Das ist die Vision. Denn noch können die humanoiden Roboter nicht viel. "Nach derzeitigem Forschungsstand sind sie alle so programmiert, dass sie den Kontakt mit Objekten vermeiden und Hindernissen ausweichen", sagt Ludovic Righetti, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut (MPI) für Intelligente Systeme in Tübingen.

Sein Ziel: Der Roboter soll so viel wie möglich berühren, damit er lernt, mit Gegenständen und Hindernissen umzugehen. Für seine Forschung hat der 33-Jährige Anfang des Jahres 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat erhalten. Gemeinsam mit Jeannette Bohg und Alexander Herzog entwickelt Righetti Computerprogramme, die den Robotern Handlungsanweisungen geben. Doch die Roboter sollen die Anweisungen nicht nur umsetzen, sondern auch daraus lernen.

"Die Roboter sollen einmal selbstständig handeln können", sagt Righetti. Das ist seine Vision für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Dazu muss der Roboter seine Umgebung wahrnehmen und die Daten sammeln. Apollo, ein Roboter mit zwei Armen und einem Kopf, wurde dafür mit Kameras und Sensoren ausgestattet.

Ein Mensch zeigt dem Roboter die Bewegung, indem er seine Hand führt, danach muss Apollo selbstständig handeln. "Durch die Sensoren merkt sich Apollo, wie es sich anfühlt, wenn er einen Gegenstand an der richtigen Stelle aufnimmt", sagt Righetti. Athena, ein weiterer Humanoid, hat starke Arme und zierliche Beine. Sie wiegt 55 Kilogramm und ist damit recht leicht für einen Roboter. "Dadurch kann sie zum Beispiel ihr Bein sehr schnell zur Seite bewegen", sagt Alexander Herzog. Der Doktorand erforscht die Bewegungen des Roboters. "Jede Millisekunde trifft Athena eine Entscheidung", sagt Righetti.

Die Tübinger Wissenschaftler tauschen sich auch mit anderen Forscherteams aus. "Wir sind erst am Anfang und verstehen noch zu wenig, wie die Informationsverarbeitung beim Menschen läuft." , betont auch Tamim Asfour, Professor für Humanoide Robotik Systeme am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).