Mannheim/Horb Schwarzer Peter gegen roten Peter

Mannheim/Horb / WOLF H. GOLDSCMITT DAGMAR STEPPER 21.02.2015
Die christdemokratische Macht am Rhein ist überschaubar, gleichwohl will der Horber OB den Kampf um den Chefsessel in Mannheim aufnehmen.

Der Wahlkampf um den Oberbürgermeisterstuhl in Mannheim ist eröffnet. Horbs Stadtoberhaupt Peter Rosenberger will am 14. Juni auf dem Ticket der CDU den SPD-OB Peter Kurz ablösen. Erste Attacken bei der gestrigen Kandidatenvorstellung lassen auf eine harte Auseinandersetzung schließen. Doch die Hürden für den 42jährigen Herausforderer sind hoch. Seit 1972 stellen die Sozialdemokraten den Oberbürgermeister in Baden-Württembergs drittgrößter Kommune. Und bis zur Wahl bleiben gerade einmal vier Monate Zeit.

Amtsinhaber Peter Kurz saß bislang recht fest im Sattel. Seit 2007 führt er die Kommune. In diese Amtszeit fallen die komplette Umgestaltung des Innenstadtbereichs, kulturelle Großprojekte und die Schaffung von Wohnraum. Allerdings trüben in jüngster Zeit zwei Ereignisse die saubere Bilanz. Kurz´ unglückliche Kampagne für eine Bundesgartenschau 2023 hat die Bevölkerung gespalten. Die Mehrheit für die Millionenausgaben angesichts der Infrastrukturprobleme der Stadt fiel denkbar knapp aus.

In diese Kerbe schlägt auch Peter Rosenberger. Eine Bundesgartenschau muss von mindestens 90 Prozent der Bevölkerung mitgetragen werden. Hier habe Kurz versagt, weil er sich nicht kompromißfähig zeige und das "Wir-Gefühl" nicht anspreche. Ohnehin habe der Sozialdemokrat eine merkwürdige Grundeinstellung in Sachen Bürgerbeteiligung. Kurz´ Engagement für die Kultur in der Stadt sei zwar lobenswert, aber letztlich sei eine bessere Lebensqualität wichtiger. Rosenberger werde dieses Thema "einfrieren" und mehr Wert auf Sauberkeit und Sicherheit legen. Ein weiteres Manko des Amtsinhabers: der jüngste Hygieneskandal am Uniklinikum, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Kurz ist.

Ob dies freilich ausreichtn, dem "roten Peter" ernsthaft gefährlich zu werden, bezweifeln nicht nur SPD-Kommunalpolitiker. Grüne und Linke im Stadtparlament haben dem amtierenden OB die Treue geschworen. Und die christdemokratische Macht ist überschaubar.

Die Union hat seit 1999 einen starken Abwärtstrend zu verzeichnen. Vor 16 Jahren kam die heute vom 28jährigen Nikolas Löbel geleitete Partei noch auf 23 Sitze im Stadthaus, inzwischen sind es nach vielen politischen Pannen - gerade einmal zwölf. Rosenberger will es gleichwohl versuchen, er rechnet sich durchaus Chancen aus in der badischen Metropole. "Ich mache doch kein Harakiri."Rosenbergers Kandidatur wurde ausgerechnet am Aschermittwoch publik - und es gab eine Reaktion in Horb: Überraschung. "Eigentlich sollte das Pressegespräch erst am Montag stattfinden", sagt Rosenberger, am Wochenende wollte er manchen Weggefährten seine Kandidatur persönlich mitteilnen. Es kam anders. So erfuhr der Horber CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Munding die Pläne aus der Presse, als er beim Politischen Aschermittwoch der CDU in Fellbach war.

Warum der Horber Oberbürgermeister zwei Jahre vor der fast sicheren Wiederwahl die Pferde wechseln will? "Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Chance in meine Heimatstadt heimzukehren bietet sich mir sicher nicht wieder."