Bauen Schwankende Brücken über Schwarzwaldschluchten

Todtnau/Todtmoos / Petra Walheim 31.07.2018

Hängebrücken sind nicht jedermanns Sache. Sie schwanken und wackeln, und meistens besteht der Boden aus Gitterrost, sodass in den Abgrund geschaut werden kann. Aber für Menschen ohne Höhenangst und der Lust an dem speziellen Prickeln im Bauch sind sie auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier im Land kann der nach Bad Wildbad (Kreis Calw) führen, wo die „WildLine“ eröffnet worden ist. In der Planung sind weitere Hängebrücken in Rottweil sowie in den Südschwarzwald-Orten Todtnau und Todtmoos. Der Schwarzwaldverein beobachtet die Entwicklung aufmerksam, will daraus aber kein Problem machen, solange Natur- und Landschaftsschutz-Belange nicht verletzt werden.

Günter Eberhardt, ein Bauunternehmer aus Hohentengen (Kreis Sigmaringen), ist großer Hängebrücken-Fan. Er war  am Bau des Aufzug-Testturms von Thyssenkrupp-Elevator in Rottweil beteiligt und hat das Thema bereits im Januar 2016 losgetreten. Er schlug der Stadtverwaltung vor, als Verbindung zwischen Rottweiler Altstadt und Testturm einen Hängebrücke zu bauen und möchte dafür sechs Millionen Euro investieren.

Entscheid bringt Klarheit

Rottweil hat eine historische Altstadt. Die Frage, wo diese Brücke an die Altstadt angebunden werden soll, wurde zum Problem. Erst ein Bürgerentscheid brachte 2017 Klarheit, dass die Mehrheit der Bürger diese Brücke will. Seitdem läuft das Genehmigungsverfahren. Aus Gründen der Rechtssicherheit hat die Stadt den Weg des Bebauungsplanverfahrens gewählt. Das dauert.

Nach Auskunft des Projektleiters Roland Haag sollen nach der Sommerpause die Träger öffentlicher Belange in das Verfahren einbezogen werden. Baubeginn soll in einem Jahr sein. Im Frühjahr 2020 soll die „Neckar-Line“ über das Neckartal fertig sein.

Die „WildLine“ in Bad Wildbad ist es schon. Dort hat Günter Eberhardt im Februar 2017 sein Projekt vorgestellt, und dann ging alles ganz schnell. Ende Juli wurde die 380 Meter lange und am höchsten Punkt 60 Meter hohe Hängebrücke im Wald des Wildbader Hausbergs Sommerberg eröffnet.

Auf der Suche nach weiteren möglichen Standorten für Hängebrücken ist Günter Eberhardt auch in Todtnau (Kreis Lörrach) fündig geworden. Dort kann er sich eine etwa 400 Meter lange und 80 Meter hohe Hängebrücke über die Todtnauer Wasserfälle vorstellen. Bürgermeister Andreas Wießner und der Gemeinderat gehen bislang mit. Der Gemeinderat habe das Projekt begrüßt, sagt er.  „Das bietet die Chance für eine weitere Attraktion im Schwarzwald.“

Bürgermeister hat Höhenangst

110 000 Gäste sind nach Auskunft von Wießner 2017 an den Todtnauer Wasserfällen gezählt worden. Eine Hängebrücke könnte die Zahl steigen lassen. Ein Problem mit der Infrastruktur sieht er nicht. Es gebe einen großen Parkplatz und einen breiten Waldweg zu einem Aussichtspunkt.

Einen Zeitplan gibt es noch nicht. bisher existiert nur eine Absichtserklärung der Gemeinde, dass an der Hängebrücke Interesse besteht. Klar ist aber jetzt schon, dass die Einweihung am Rand der Brücke stattfinden muss. Bürgermeister Wießner hat Höhenangst.

Nur 20 Kilometer weiter, in Todtmoos, wird auch über eine Hängebrücke diskutiert. Dort hat der Unternehmer Winfried Maier den Impuls gegeben, eine Hängebrücke über das Wehratal zu bauen. Die Bürgermeisterin von Todtmoos, Janette Fuchs, und der Gemeinderat sind nicht abgeneigt. „Wir stehen dem Projekt offen gegenüber, sehen aber auch die Probleme, die das Projekt in der Infrastruktur mit sich bringen kann“, sagt Janette Fuchs.

Winfried Maiers Argument für die Hängebrücke ist die Belebung des Tourismus’. So sieht das auch Stephan Seyl vom Schwarzwaldverein. „Für uns sind die Hängebrücken nicht der Riesen-Aufreger.“ Ihnen wäre es zwar lieber, wenn die Gäste das nutzen würden, was vorhanden ist. „Aber wir erkennen, dass der Markt für ­solche Attraktionen vorhanden ist.“

Standorte

Die Hängebrücke in Todtmoos soll die Firma Swissrope aus der Schweiz bauen. Die hat nach Auskunft von Firmenchef Kevin Lauber  bereits 37 Hängebrücken gebaut: in der Schweiz, in Österreich und in Frankreich.

Swissrope baut die längsten Fußgänger-Hängebrücken der Welt. Aktuell ist es die 494 Meter lange Brücke in Randa bei Zermatt. Davor war es die in Reutte in Tirol, die der Rottweiler Gemeinderat schon besucht hat. wal

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