Die Völkerwanderung hat begonnen. Bei milden Temperaturen und leichtem Regen erwachen Kröten, Frösche und Molche aus der Winterstarre und setzen sich in Bewegung. Sie haben nur ein Ziel: Sie wollen die Laichgewässer erreichen, um dort für Nachwuchs zu sorgen. Häufig müssen die Tiere dabei Straßen überqueren - was oft tödlich endet. Sie werden nicht nur direkt überfahren. "Schon ab 30 Stundenkilometern erzeugen die Fahrzeuge einen so hohen Luftdruck, dass die inneren Organe der Tiere platzen", sagt Martin Klatt, Artenschutzreferent des Naturschutzbunds (Nabu). Er appelliert an die Autofahrer, langsam auf den Strecken zu fahren, die als Amphibien-Wanderwege gekennzeichnet sind.

Um die Tiere zu schützen, wurden im Land an den Wanderstrecken der Amphibien Zäune aufgebaut. Entlang derer sind Eimer in die Erde eingelassen, in die die Kröten auf ihrer Suche nach einem Durchlass plumpsen. Vor allem in den Morgenstunden sind Helfer unterwegs, um die Tiere in den Eimern sicher über die Straße zu bringen.

An manchen Straßen sind dabei die Helfer in Gefahr. So im Gebiet Schattengrund in Büsnau, einem Stadtteil von Stuttgart-Vaihingen. "Das ist das größte Erdkröten-Vorkommen auf Stuttgarter Gemarkung", sagt Kathrin Schlecht, Leiterin der Geschäftsstelle des Nabu Stuttgart. Dort wurden zwar Amphibiendurchlässe gebaut, trotzdem müssen ehrenamtliche Helfer ein- und zugreifen. Tausende von Kröten und Grasfrösche sind unterwegs und 20 Helfer drei Monate lang abwechselnd im Einsatz, um die Tiere über die Straße zu bringen. "So werden jedes Jahr mehrere 1000 Tiere gerettet", sagt Kathrin Schlecht. Weil in dem Bereich morgens gern der Nebel hängt und Autofahrer häufig zu schnell fahren, sind die Helfer in der Vergangenheit immer wieder in Gefahr geraten.

Damit soll es in diesem Jahr vorbei sein. Das Verkehrsministerium hat auf Initiative des Nabu Stuttgart an der Straße eine Warnanlage für die Helfer installiert. Sie besteht aus Schildern, Warnbaken und Blinklichtern und ist nach Auskunft des Ministeriums landesweit einmalig. Die Kosten von 8000 Euro trägt das Ministerium. Von 6 bis 9 Uhr seien die Blinklichter eingeschaltet, sagt Kathrin Schlecht. Sie befinden sich auf den Warntafeln und werden per Zeitschaltuhr gesteuert. "Die Lichter blinken nicht ständig, damit kein Gewöhnungseffekt eintritt." Ob sich die Anlage bewährt, kann noch nicht gesagt werden.

Der Schutz der Amphibien hat im Land einen hohen Stellenwert. Es werden nicht nur Schutzzäune aufgestellt. Manche kleinere Straßen werden komplett gesperrt. "Fast alle Amphibien im Land sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste", sagt Martin Klatt. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass immer mehr Straßen gebaut werden und so immer mehr Gefahrenzonen entstehen. Der Nabu schätzt, dass jährlich eine Million Kröten und Frösche Straßen überqueren müssen, um ihre Laichgewässer zu erreichen, an denen sie sich fortpflanzen. Die ehrenamtlichen Helfer retten laut Nabu geschätzte 400 000 Tiere vor dem Tod auf der Straße.

Suche nach den gefährlichsten Straßen

Projekt für Kröten Um herauszufinden, auf welchen Straßen die Amphibien am stärksten gefährdet sind, haben das Verkehrsministerium und der Nabu ein Projekt gestartet. Bei dem melden Verkehrsbehörden und Naturschützer die Straßen, auf denen die meisten Amphibien zu Tode kommen. Die Daten laufen bei Hubert Laufer vom Amphibien & Reptilien Biotopschutz (ABS) in Offenburg zusammen. Die 40 gefährlichsten Stellen sollen mit dauerhaften Amphibieneinrichtungen und -tunneln entschärft werden. Möglich ist auch, dass Ersatzgewässer gebaggert werden, so dass die Tiere keine Straße überqueren müssen.

Infos im Internet Wer wissen möchte, wo Amphibien wandern, findet Infos unter www.nabu.de/kroetenwanderung