Die Landesregierung in Baden-Württemberg geht bei der Eindämmung des Coronavirus einen Schritt weiter: Wegen der Coronavirus-Pandemie schließt Baden-Württemberg von Dienstag an alle Schulen und Kindertagesstätten bis zum Ende der Osterferien (19. April). Das teilte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Stuttgart mit.

Die baden-württembergische Landesregierung beschloss die Maßnahme am Freitag bei einer Sondersitzung des Kabinetts. In Baden-Württemberg besuchen derzeit rund 1,5 Millionen Schüler allgemeinbildende oder berufliche Schulen. Rund 444.000 Kinder wurden 2019 in Kindertageseinrichtungen betreut.

Außerdem wurden öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Teilnehmern untersagt.

Schüler erleiden durch Schulschließung keinen Nachteil

Alle anstehenden Abschlussprüfungen für Schüler werde man gewährleisten, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Man werde sich deshalb mit den Schulen verständigen. „Die Schülerinnen und Schüler werden keinen Nachteil erleiden“, sagte Eisenmann. Am Montag finde der Schulbetrieb noch regulär statt, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Dann werde man die Schüler informieren und etwa Hausaufgaben besprechen bis nach den Osterferien.

Elternbeirat: Land nicht auf Schulschließungen vorbereitet

Das Land ist aus Sicht des Elternbeirates auf allgemeine Schulschließungen bis Ostern absolut nicht vorbereitet. „Wir haben keine Möglichkeiten, auf digitale Bildungsangebote auszuweichen, weil wir nach wie vor in der Steinzeit sind“, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Carsten Rees, der Deutschen Presse-Agentur vor der Kabinettssitzung. Rees wies auf die Lage von Schülern hin, die mitten in Prüfungsvorbereitungen steckten, etwa aufs Abitur lernen. Der Elternbeirat erwarte umfassende Antworten von der Regierung.

Ulm/Neu-Ulm

Die Schließung aller Schulen und Kindergärten im Land hätte nach Ansicht der Gymnasiallehrer deutlich früher beschlossen werden müssen. „Das Bewusstsein für den Ernst der Lage ist bei der Landesregierung erst langsam gereift“, sagte Ralf Scholl, der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg. Die Schulen hätten zu lange für sich und unterschiedlich entschieden.

Drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus

Die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung seien dringend nötig, damit sich in den kommenden Wochen in Baden-Württemberg nicht Zehntausende infizierten. Kultusministerin Eisenmann hatte sich bislang gegen pauschale Schulschließungen ausgesprochen und die Forderung des Philologenverbands nach einer präventiven Schließung aller Schulen als „unverantwortlich“ bezeichnet.

Schulschließungen & Notfallbetreuung: Das müssen Eltern jetzt wissen

Vor allem für berufstätige Eltern stellt sich jetzt die Frage: Was tun, wenn Kinder zuhause bleiben, weil Schulen zu sind? Bestimmte Berufsgruppen haben laut Kultusministerin Susanne Eisenmann (DCU) Anspruch auf eine Notfallbetreuung. Etwa, wenn beide Elternteile zur Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur benötigt werden. Dazu zählen:

  • Polizei
  • Feuerwehr
  • Medizinischer und pflegerischer Bereich
  • Lebensmittelproduktion
  • Lebensmittelhandel
  • Energie- und Wasserversorgung

Mehr Informationen für berufstätige Eltern haben wir hier zusammengefasst:

Dritter Corona-Toter im Land

Die Zahl der Infizierten im Land stieg bis Sonntagabend auf 977. COVID-19 Fälle wurden mittlerweile aus allen 44 Stadt- und Landkreisen berichtet. Nach einem 67-Jährigen sind zwei weitere mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Dabei handle es sich um einen 80-Jährigen aus Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) sowie um einen 85-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen.

Bayern und Saarland schließen Schulen

Bereits zuvor hatte Bayern bekanntgegeben, wegen des Coronavirus  von Montag an alle Schulen zu schließen. Bis zum Beginn der Osterferien am 6. April stellen alle Kindergärten, Schulen und Kitas den Betrieb ein. Damit sind in Bayern faktisch bis zum 20. April die Bildungseinrichtungen geschlossen.

Als erstes Bundesland hatte das Saarland in der Nacht zu Freitag bekanntgegeben, dass wegen des Coronavirus landesweit Schulen und Kindertagesstätten bis Ende der Osterferien geschlossen werden. Dies geschehe aufgrund der Situation des Saarlandes als Grenzland, teilte die Staatskanzlei in der Nacht zu Freitag mit.

Einen Überblick über die aktuelle Lage in Sachen Coronavirus gibt unser Newsblog zum Thema. Hier haben wir alle relevanten Meldungen zusammengefasst: