Schulen Schulleiter beklagen Gewalt gegen Lehrer

Die Kriminalität an Schulen steigt.
Die Kriminalität an Schulen steigt. © Foto: Oliver Berg/dpa
Stuttgart / Axel Habermehl 02.05.2018
Umfrage: Der Lehrerverband VBE weist auf Aggressionen von Schülern hin. Die Politik müsse der Tabuisierung des Themas entgegenwirken. Die Kultusministerin fordert Lehrer auf, Vorfälle zu melden.

Beschimpfungen, Mobbing im Internet und körperliche Attacken: Gewalt gegen Lehrkräfte ist an deutschen Schulen offenbar Alltag. Laut einer bundesweiten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter 1200 Schulleitern, gab es an fast jeder zweiten Schule in den vergangenen fünf Jahren solche Fälle. Auftraggeber der Befragung ist der Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Besonders häufig berichteten die Befragten von verbalen Übergriffen: 48 Prozent der Schulleiter gaben an, es habe bei ihnen in den vergangenen fünf Jahren Fälle gegeben, „in denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden“. Körperliche Angriffe registrierten 26 Prozent. „Cyber-Mobbing“, also Diffamierungen, Belästigungen oder Drohungen gegen Pädagogen über das Internet gaben 20 Prozent zu Protokoll.

Baden-Württemberg lag in allen drei Bereichen unter dem Bundesschnitt. Von Beschimpfungen berichteten hier 45 Prozent der Schulleiter, von physischer Gewalt und Internet-Mobbing je 16 Prozent.

VBE-Landeschef Gerhard Brand äußerte sich alarmiert. Die Umfrage zeige, „dass Gewalt gegen Lehrkräfte kein Randphänomen ist sondern an vielen Schulen vorkommt. Die Politik muss mit dem Märchen von Einzelfall aufhören“, sagte er. Das Thema werde zu oft verschwiegen, weil Lehrer und Schulen um ihren Ruf fürchteten. Brand forderte, Gewaltfälle in die Schulstatistik aufzunehmen, das Thema in der Lehrerausbildung zu behandeln und mehr Hilfe für Betroffene.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) rief Lehrer auf, Gewaltvorfälle umgehend der Schulaufsicht zu melden. „So bekommen wir auch einen systematischeren Überblick über Art und Fülle solcher Vorfälle und können zielgerichtet reagieren.“ Sie beobachte häufiger „eine fehlende Wertschätzung gegenüber der Institution Schule und gegenüber Lehrerinnen und Lehrern“. Respektlosigkeit in der Gesellschaft habe insgesamt zugenommen.

Die Grünen im Landtag forderten, sich verstärkt Gewaltursachen zu widmen. Häufig lägen Auslöser außerhalb der Schule. „Deshalb muss ein ganzheitlicher Ansatz der Gewaltprävention an Schulen einen höheren Stellenwert erhalten – hier gilt es vor allem die Zusammenarbeit des Kollegiums mit Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen sowie dem lokalen Schulumfeld zu stärken“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Sandra Boser.

Dagegen forderte AfD-Bildungspolitiker Rainer Balzer: „Gewalt gegen Lehrkräfte muss für Schüler spürbare Konsequenzen haben. Zudem muss sichergestellt sein, dass sich gerade die Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen den Konsequenzen nicht einfach entziehen können.“

Daniel Born (SPD) sprach von einem „klaren Alarmsignal“. Er gab zu bedenken: „Schulen sind Erfahrungsraum für unsere Demokratie – da darf Gewalt keinen Platz haben und schon gar nicht zur Normalität werden.“

FDP-Bildungsexperte Timm Kern forderte, eine entsprechende „Kompetenzstelle beim Kultusministerium“ zu schaffen, „analog zur ‚Landespräventionsstelle gegen Gewalt und Cybergewalt an Schulen (LPS)‘ in Nordrhein-Westfalen“.

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