Stuttgart / Von Jens Schmitz  Uhr
Die Mehrheit des Vorstands spricht sich vor dem kleinen Landesparteitag für Wahlfreiheit aus. Aus mehreren Kreisverbänden gibt es aber auch andere Vorstöße.

Die Landes-SPD ringt kurz vor ihrem kleinen Parteitag am Samstag um eine neue Position zum neunjährigen Gymnasium (G9). Die Mehrheit des Vorstands um Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch möchte für alle Gymnasien eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 schaffen. Das Anliegen ist Bestandteil des bildungspolitischen Leitantrags für den Konvent in Pforzheim.

„Uns geht es bei der Ausbildung unserer Kinder nicht um Schnelligkeit und Angepasstheit, sondern um die Entwicklung von kreativen, kritisch denkenden und gut ausgebildeten jungen Menschen“, heißt es im Leitantrag des Vorstands. „Auch deshalb kehren viele Bundesländer wieder zu G9 zurück und an den G9-Modellschulen des Landes entscheiden sich 92 Prozent der Schülerinnen und Schüler für das Abitur nach neun Jahren.“ Ziel einer Reform müsse sein, dass „alle Kinder und deren Eltern“ im Südwesten „zwischen G8 und G9 – auch an allgemeinbildenden Gymnasien – wählen ­können“.

Ablehnung für flächendeckende Ausweitung von G9

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Fulst-Blei, unterstützte das Anliegen: „G8 hat zu mehr sozialer Ungerechtigkeit geführt“, sagte er. „Darauf weist eine Studie am ZEW Mannheim hin.“

Mehrere Kreisverbände haben aber in Änderungsanträgen Widerspruch eingelegt. So formuliert Tübingen: „Wir lehnen eine flächendeckende Ausweitung von G9 an Gymnasien ab, weil sie zu einer Schwächung der Gemeinschaftsschule führen würde.“ Die SPD will dort die gymnasiale Oberstufe so ausbauen, dass Schüler in neun Jahren zum Abi­tur kommen können.

Dorothea Kliche-Behnke, stellvertretende Landeschefin und Kreisvorsitzende in Tübingen, erklärte unserer Zeitung:  Die flächendeckende Wahlmöglichkeit bedeute eine Schwächung der Gemeinschaftsschulen. „Dagegen wehren nicht nur wir uns, sondern wir haben auch viele Bildungsexpertinnen und -experten an unserer Seite.“ Kliche-Behnke plädierte dafür, finanzielle Ressourcen lieber im frühkindlichen Bereich zu bündeln.

Der Kreisverband Karlsruhe Stadt möchte G9 flächendeckend wieder zum Regelfall, G8 dagegen zur Ausnahme machen. Heidelberg will, dass Schulen sich zwischen den beiden Modellen entscheiden.

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Diskussion über Zukunft der Groko

Der kleine Landesparteitag am Samstag in Pforzheim wird sich voraussichtlich auch mit der Lage der SPD beschäftigen. Es wird erwartet, dass sich der Landesverband nach den schlechten Europawahl-Ergebnis und dem Rücktritt von Andrea Nahles als Parteichefin unter anderem zur Zukunft der Groko positioniert.