Kommentar Roland Müller zur Inklusion im Südwesten Schlecht vorbereitet

Roland Müller
Roland Müller © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Roland Müller 04.09.2018

In einem hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) recht: Für die Goldwaage taugt die Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Inklusion nicht. Die Quote ist nur ein grober Indikator für Fortschritte bei der Integration behinderter Kinder. Dass sich viele Eltern für die Förderschule entscheiden, bedeutet auch schlicht, dass sie ihnen vertrauen – und dass dort sehr gute Arbeit geleistet wird.

Doch es ist nur die halbe Wahrheit. Zum Gesamtbild gehört auch, dass an Regelschulen viel zu oft die Voraussetzungen fehlen. Zum Teil sind es bauliche Probleme. Vor allem aber fühlen sich viele Lehrer alleingelassen – und die Kinder drohen, im Schulalltag unterzugehen. Wenn etwa in einer Klasse mit 30 Kindern der Sonderpädagoge nur eine Stunde pro Woche kommt, um das lernbehinderte Kind zu betreuen, ist das nicht genug. Mehr ist aber meist nicht drin: Das Land hat wegen des Lehrermangels schon Mühe, das Alltagsgeschäft zu stemmen.

Inklusion ist ein guter, richtiger Weg, um Menschen mit Handicap in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Dass dieser hohe Anspruch oft nicht erfüllt ist, dafür haben die Eltern offenbar ein besseres Gespür als mancher Politiker.

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