Weihevoll geben die Männer dem Verstorbenen das letzte Geleit. Mit ernster Miene schieben sie den Wagen aus der Aussegnungshalle bis vor das Grab, setzen den Sarg mit geübten Handgriffen darauf ab und senken ihn mit Seilen in die Grube. Die Sargträger sind es, die Toten den letzten Dienst erweisen. Zusammen mit dem Geistlichen, dem Trauerredner und Musikern verleihen sie Begräbnissen ein würdevolles Gepräge.

Doch Menschen zu finden, die diesen Dienst tun, wird immer schwieriger. Eva Keppler, der Standesbeamtin der Gemeinde Oberteuringen im Bodenseekreis, sind kürzlich zwei ihrer vier Sargträger abhanden gekommen. Jetzt sucht sie verzweifelt nach Ersatz. Auf der ersten Seite des Amtsblatts hat sie schon zweimal einen Aufruf platziert. "Bisher hat sich noch keiner gemeldet", zeigt sie sich enttäuscht. Mit hohem Salär kann sie nicht locken. Pro Einsatz gibt es in der 4400-Einwohner-Gemeinde 20 Euro Aufwandsentschädigung. Weil bei den immer zahlreicher werdenden Urnenbestattungen keine Sargträger benötigt werden, ist die Zahl der Einsätze allerdings übersichtlich: Zwischen drei und acht Mal im Jahr fordert Keppler die Sargträger an.

Anderen Gemeinden im Land geht es ähnlich. Auch sie leiden unter einem Mangel an Sargträgern. Die Bereitschaft, sich kurzfristig zu einer Beerdigung abrufen zu lassen, ist geringer geworden. Und andere, die Zeit hätten, trauen sich nicht zu, den Dienst an den Verstorbenen zu verrichten. Diese Erfahrung macht auch das Bestattungsunternehmen Friedrichson in Horb (Kreis Freudenstadt). "Sargträger sind nicht einfach zu kriegen", sagt Bestatter Dirk Wieschermann. Die Idealbesetzung sind rüstige Rentner oder Schichtarbeiter, die genug zeitlichen Freiraum haben.

Vor acht Jahren kam auch in Leinfelden-Echterdingen die Frage auf, wie es mit dem Sargträger-Wesen weitergehen soll. Allerdings wollte in diesem Fall die Stadt die Aufgabe aus Kostengründen abgeben. Darauf gründeten Bürger den Verein zur Förderung der Bestattungs- und Trauerkultur (VBT). Seitdem stellt der Verein die Sargträger. Inzwischen haben es die Mitglieder auf 560 Einsätze gebracht.

"Es klappt sehr gut", sagt Karl Nickel (79), der den Sargträger-Dienst koordiniert, "wir haben immer genug Leute, auch in der Urlaubszeit." Ein Studiendirektor a. D. befindet sich unter den Helfern nebst weiteren Ruheständlern. Aber auch ein freiberuflicher EDV-Fachmann, der sich seine Zeit einteilen kann, beteiligt sich und ein pensionierter Mesner. "Der fällt aber gerade wegen eines Bandscheibenvorfalls aus", berichtet Nickel, der einst kaufmännischer Leiter der Mannesmann-Filiale Stuttgart war. "Ich selbst", sagt er, "kann gerade aus Gesundheitsgründen auch nicht tragen."

Schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte und schwarze Schuhe sind Pflicht für die VBT-Sargträger. "Wichtig ist Pünktlichkeit und ein seriöses, gepflegtes Erscheinungsbild", sagt Nickel. "Tageslichttauglichkeit" erwartet Wieschermann. Die Träger müssen körperlich fit und trittsicher sein. Doch die körperlichen Voraussetzungen sind nicht allzu hoch. Man müsse für die Aufgabe kein Gewichtheber sein, erläutert Nickel, weil sich das Gewicht eines Sargs auf vier oder sechs Sargträger verteilt. Das leisten auch Frauen. Einzige Sargträgerin beim VBT ist derzeit eine Fußpflegerin.

Der VBT zahlt seinen Sargträgern eine Unkostenpauschale von 15 Euro. Den Lohn finanziert der Verein über Spenden. Diskret bittet der VBT die Angehörigen eines Verstorbenen um einen Obolus. Doch wer knapp bei Kasse ist, braucht auf den Dienst nicht zu verzichten. "Kein Problem", sagt Nickel.

Abschied in Würde