Freudenstadt Safari im Schwarzwald

Freudenstadt / RAIMUND WEIBLE 06.12.2012
Minister Bonde (Grüne) war in den Nordschwarzwald gekommen, um sich von Experten Vorschläge zur Gestaltung des geplanten Nationalparks anzuhören. Von mancher Idee dürfte er überrascht worden sein.

Draußen vor dem Kurhaus lärmten die Gegner. Gut 150 Demonstranten empfingen gestern in Freudenstadt Landwirtschaftsminister Alexander Bonde und protestierten gegen den geplanten Nationalpark. Sie hielten Transparente in die Kameras mit Slogans wie "Holz für Bürger, nicht für Würmer". Drinnen im Kurhaus stellten die sieben Arbeitskreise die Ergebnisse ihrer Beratungen vor. Im Saal waren die Trillerpfeifen der Nationalparkgegner nur als Hintergrundgeräusch zu vernehmen.

Bonde hatte Experten aus der Region vor einem halben Jahr gebeten, ihre Analysen und Vorschläge zu sammeln. Ihre Ergebnisse leitet das Ministerium an die Gutachter von den Firmen PricewaterhouseCoopers und Ö:Konzept weiter, die seit Monaten das Nationalpark-Projekt bewerten. Bonde sprach von "wichtigen Impulsen" der Arbeitskreise. Das Gutachten wird im April 2013 präsentiert, wie Bonde sagte.

Die ausgefallensten Vorschläge reichte der Arbeitskreis Tourismus ein, dem die Spitzen-Hoteliers Meinrad Schmiederer (Dollenberg) und Hermann Bareiss (Baiersbronn) angehören. Die Touristiker zweifeln daran, ob ein Nationalpark pur allein genügt, die Übernachtungszahlen im Nordschwarzwald zu erhöhen.

Deshalb sammelten sie Ideen, wie die Attraktivität zu verbessern sei. Dazu zählen eine ganzjährig betriebene Gondelbahn von der Hornisgrinde über den Mummelsee zum Seibelseckle, Aussichtsplattformen und ein Wildtier-Großgehege mit einer Fläche zwischen 900 und 1000 Hektar bei der Alexanderschanze - der Nationalpark selbst soll 10 000 Hektar umfassen. Die Größe wird nach Ansicht der Sprecherin, Vera Haueisen, benötigt, um "safariähnliche Besuche" zu ermöglichen. "Der Gast soll nicht das Gefühl haben, er sei in einem Gehege", fügte Schmiederer hinzu.

Neben Rotwild, Auerhahn, Luchs und Wildkatze sollen Tiere dort ihre Heimat finden, die im Schwarzwald längst ausgestorben sind: Wisente, Wildpferde und Auerochsen. "Für mich ist das eine absolut wichtige Geschichte", betonte Schmiederer. Minister Bonde gab keine Bewertung ab. Auch die anderen Arbeitskreis-Beiträge ließ er unkommentiert. Sechs der sieben Arbeitskreise signalisierten Sympathie mit dem Nationalparks-Projekt.

Im Arbeitskreis Infrastruktur und Regionalentwicklung war etwa die Hälfte für einen Nationalpark und die andere Hälfte dagegen. Hier spielten die Bedenken der Sägeindustrie eine Rolle, deren Verband den Verlust von mehreren Hundert Arbeitsplätzen und Schäden in Millionenhöhe befürchtet.

Diesen Argumenten halten Nationalpark-Befürworter entgegen, die Kapazität der Sägeindustrie am und im Schwarzwald sei heute schon zweieinhalb Mal so hoch als das Rohstoffangebot aus dem Gebiet. Und außerdem seien nur wenige kleine Säger in geringem Maße von den zurückgehenden Holzeinschlägen betroffen.

Die breite Besetzung der Arbeitskreise hat nach Ansicht des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) verhindert, "dass die Arbeitsgruppen nur den Sonnenschein sehen und sich wegducken". Bürgermeister Michael Ruf (parteilos) aus Baiersbronn (Kreis Freudenstadt), sagte, dass sich manche Gegner schwer getan hätten, in einem Arbeitskreis mitzuwirken. Sie hätten geargwöhnt, dass die Mitarbeit automatisch als Zustimmung zu dem Projekt gewertet werden würde.