Tunnel S-21-Gegner hoffen auf einen Baustopp

Der Tunnelbau für S 21 wird Thema im Bahn-Aufsichtsrat sein.
Der Tunnelbau für S 21 wird Thema im Bahn-Aufsichtsrat sein. © Foto: dpa
Uwe Roth 13.12.2016

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hat der Bahn vor der morgigen Aufsichtsratssitzung vorgeworfen, die Risiken des Tunnelbaus im quellfähigen Gestein herunterzuspielen. Insofern, so erklärte Projektgegner Eisenhart von Loeper gestern,  lasse ein Brief aus dem Kanzleramt vom 6. Dezember hoffen: „Die Bundeskanzlerin unterstützt, dass die Vertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG gewissenhaft ihrer Aufgabe nachkommen“, sei dort zu lesen. Der Satz deute ein Kurswechsel an. In der Vergangenheit habe Angela Merkel (CDU) Durchhalteparolen zum Weiterbau ausgegeben. Nun überlasse sie es offenbar dem Aufsichtsrat zu entscheiden, wie es mit S 21 weitergehen soll.

Ein von dem Gremium bestelltes Gutachten wird dabei im Zentrum stehen. Loeper zufolge bleibe den Vertretern der Regierung im Aufsichtsrat angesichts der Warnungen vor unterschätzten Risiken keine Wahl, als dem Bahnvorstand den Auftrag zum Baustopp zu geben. Die Prüfer rügen in ihrem Bericht die unterbewerteten Risiken beim Tunnelbau durch quellfähige Gipskeuperschichten. Das Gutachten kritisiert zudem die Projektbetreiber, die sich auf gerade einen Gutachter verließen (wir berichteten). Dabei bräuchte es für ein derartiges Bauvorhaben einen Beirat internationaler Experten.

Der von Stuttgart 21 beauftragte Ingenieur Walter Wittke hatte sich in der vergangenen Woche gegen die Kritik verteidigt und die Sicherheit seiner Tunneltechnik bekräftigt. Das Aktionsbündnis widersprach nun. Wittke habe lediglich gesagt, dass es beim Vortrieb keine Probleme gebe. Er habe sich nicht dazu geäußert, in wieweit es zu Verwerfungen in der Zukunft kommen könnte. Geologe Jakob Sierig geht davon aus, dass ein Quellprozess mehr als ein Jahrhundert dauern kann. Besondere Probleme sieht er für die Röhre zum Flughafen.

Folgt der Aufsichtsrat morgen dem Auftrag der Kanzlerin, müsste er dem Aktionsbündnis zufolge das Projekt auch wegen der gestiegenen Kosten stoppen: Für jeden weiteren Euro übernähmen die Mitglieder persönlich die Verantwortung.

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