Mit einer Erhebung zum Zustand der Geburtshilfe im Südwesten will das Land Baden-Württemberg erste konkrete Schritte gegen den Hebammenmangel einleiten. Es müsse präzise festgestellt werden, wie viele Hebammen es gibt, was sie anbieten und wo im Land schwangere und gebärende Frauen nicht angemessen begleitet werden können. Das ist das Ergebnis eines ersten Treffens der Runden Tisches zu diesem Thema, zu dem das Soziaministerium am Dienstag nach Stuttgart geladen hatte. Auch müssten die Arbeitsbedingungen der überlasteten und oft unter Zeitdruck arbeitenden Geburtshelferinnen in Krankenhäusern verbessert werden, sagte Staatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne).

Als Grundlage für notwendige Veränderungen sollen vom Deutschen Hebammenverband entwickelte Eckpunkte für gute Geburtshilfe dienen. Darin werden unter anderem mehr Hebammenstellen in den Kliniken gefordert. „Von einer Eins-zu-Eins-Versorgung für Gebärende sind wir weit entfernt - und wir entfernen uns immer weiter davon“, sagte Mielich. Dass mehr und mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben – „diese Entwicklung müssen wir stoppen“, betonte sie.

Die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes Baden-Württemberg, Jutta Eichenauer, äußerte sich im Anschluss an die Runde zufrieden. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagte sie. Die Botschaft sei angekommen; alle Beteiligten zögen nun an einem Strang.

Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. Erkenntnissen des Verbandes zufolge machten immer mehr Frauen traumatische Erfahrungen während der Geburt. Grund dafür sei die oft kritische Situation in den Kliniken, bei der die diensthabenden Hebammen nicht selten mehrere Geburten gleichzeitig betreuten.

Einen Eins-zu-Eins-Betreuungsschlüssel nannte der Berufsverband der Frauenärzte utopisch und auch nicht notwendig. „Das ist ein Luxus, den sich die Krankenhäuser schlicht nicht leisten können“, sagte Landesvize Volker Heinecke.

Mit am Tisch saßen unter anderem Vertreter von Städte- und Landkreistag, Frauen- und Kinderärzte, die Landesärztekammer, die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft sowie Eltern. Das nächste Treffen des Runden Tisches ist für den 28. März anberaumt.