Landtag Rülke landet mit AfD-Kritik Internethit

Redaktionsbesuch Dr. Hans-Ulrich Rülke
Redaktionsbesuch Dr. Hans-Ulrich Rülke © Foto: Foto: Lars Schwerdtfeger
Stuttgart / Roland Muschel 18.10.2017

FDP-Landtagsfraktions­chef Hans-Ulrich Rülke ist ein gefürchteter Redner. Mit der Fähigkeit, Fehler der Gegenseite gnadenlos offenzulegen und Schlagzeilenträchtig zuzuspitzen, dominiert der Vormann der kleinsten Landtagsfraktion so manche Plenardebatte.

Doch selbst für Rülke ist die Aufmerksamkeit  neu, die er nun für einen Auftritt erfährt, der bereits ein paar Tage alt ist. Vergangene Woche hatte die AfD im Landtag unter dem sperrigen Titel „Gefahr für die Demokratie durch zunehmende Missachtung der demokratischen Spielregeln durch gewählte Volksvertreter“ eine Debatte beantragt. Für Rülke eine willkommene Vorlage: „Es kann sich eigentlich nur um ein Selbstgespräch der AfD handeln“, leitete der Liberale seine zehnminütige Brandrede ein, in der er sich die AfD und deren Fraktionschef Jörg Meuthen vornahm.

Gelächter und Applaus bei den übrigen Fraktionen erntete Rülke aber vor allem mit einem Passus über den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke, den er permanent „Bernd“ Höcke nannte. Auf Zwischenrufe aus dem Plenum antwortete der Liberale: „Der Mann heißt Bernd! Ich weiß das definitiv aus der ‚Heute-Show‘, meine Damen und Herren!“ Die Satire-Sendung veralbert den AfD-Mann seit längerem als „Bernd“. Rülke warf Höcke aber auch „Nazi-Diktion“ vor.

Was im Landtag Anklang fand, verbreitete sich im Internet rasant: Ein Video der Rede ist bis gestern Mittag bei Facebook mehr als 700.000 Mal aufgerufen worden und erzielte Tausende positive Reaktionen. Rülke ist zwar schon länger fleißig im Netz unterwegs. Aber in der Dimension ist der virtuelle  Zuspruch für den Pforzheimer eine neue Erfahrung. Auch im Landtag gewinnt er neue Freunde bei Grünen und SPD, die in der letzten Legislaturperiode Hauptzielscheibe seiner scharfzüngigen, mitunter auch überdrehten Rhetorik waren, seitdem er vor allem die AfD ins Visier nimmt.