Das Mannheimer Amtsgericht hat einen Polizisten zu einer Geldstrafe von 6000 Euro (120 Tagessätze a 50 Euro) verurteilt. Richter Volker Schmelcher befand ihn der Körperverletzung im Amt für schuldig. Der 29-Jährige habe grundlos auf einen wehrlosen Mann eingeschlagen, der gefesselt auf dem Rücksitz eines Streifenwagens lag. „Wir brauchen Polizisten, denen wir vertrauen können“, sagte Schmelcher. Mit dem Urteil wolle er ein „deutliches Zeichen“ setzen. Verteidiger Bernhard Renz plädierte auf Freispruch und kündigte Berufung an.

Sein Mandant räumte ein, dem Opfer dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Aus Notwehr, wie er behauptete. Der Festgenommene habe zuvor mehrfach versucht, ihm Kopfstöße zu versetzen. „Es gab keine Notwehrlage“, zeigte sich jedoch der Richter überzeugt. Er glaubte der Streifenkollegin, die den Vorfall in der Nacht des 25. Juni 2015 weinend ihrem Vorgesetzten gemeldet hatte. Es habe keine Kopfstöße durch den Festgenommenen gegeben, ist sie sich bis heute sicher.

In seinem Schlusswort beteuerte der Angeklagte noch einmal: „Ich habe mich nur verteidigt.“ Sein Mandant habe den Kopfstößen nicht ausweichen können und diese durch Schläge „abgewehrt“, sagte Verteidiger Bernhard Renz. Dies sei „nicht widerlegbar“. Der Anwalt hat „erhebliche Zweifel“ an der Aussage der Zeugin. Die Polizistin habe außerhalb des Streifenwagens gestanden und die Kopfstöße in der Dunkelheit nicht sehen können.

Der Mann hatte zuvor in einer Mannheimer Kneipe randaliert. Die Wirtin setzte ihn darauf auf die Straße. Daraufhin trommelte er gegen die verschlossene Tür. Die beiden herbeigerufenen Streifenpolizisten forderten ihn auf zu gehen. Als er sich weigerte, wurde er in Handschellen zum Auto geführt. Als er sich sperrte einzusteigen, zog ihn der Angeklagte auf den hinteren Sitz des Wagens, wo der Mann auf dem Rücken zum Liegen kam. Seine Kollegin versuchte, von der anderen Seite dessen Füße in das Auto zu bugsieren. In dieser Situation habe der Angeklagte den „wehrlosen, gefesselten Mann geschlagen“ und „bewusst vorsätzlich“ verletzt, sagte der Richter. Das Opfer erlitt Schwellungen im Gesicht.

Jobverlust droht

Das Urteil werde „erhebliche Konsequenzen“ für den bereits suspendierten Polizisten haben, sagte Schmelcher. So drohe ihm, aus dem Dienst entfernt zu ­werden.

Die Staatsanwältin beantragte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Der Rechtsanwalt des Opfers stellte keinen bezifferten Strafantrag. Der Angeklagte sei für den Beruf eines Polizisten „nicht geeignet“, glaubt Günter Urbanczyk.