Rottweil Rottweil simuliert den Mega-Tower

Testballon für Rottweiler Testturm: Helfer ließen den Ballon bis auf 235 Meter Höhe steigen. Foto: Wieland Vosseler
Testballon für Rottweiler Testturm: Helfer ließen den Ballon bis auf 235 Meter Höhe steigen. Foto: Wieland Vosseler
Rottweil / PETRA WALHEIM 30.09.2013
Thyssen-Krupp plant, in einem Gewerbegebiet bei Rottweil einen 235 Meter hohen AufzugsTestturm zu bauen. Mit Hilfe eines Ballons wurde am Wochenende gezeigt, wie der Turm auf das historische Stadtbild wirkt.

Wolfgang Kiene ist ein Ur-Rottweiler. Als er am Samstag aus seinem Haus in der Rottweiler Innenstadt trat, sah er den knallorangen Ballon am Himmel stehen. Nein, er regte sich nicht auf. Kiene ist unbedingt dafür, dass Thyssen- Krupp den Turm für Aufzugstests baut. 235 Meter hoch soll er werden. In dieser Höhe schwebte am Wochenende immer wieder der orangefarbene Ballon. Der hatte einen Durchmesser von vier Meter und war auch noch aus großer Entfernung zu sehen - und zwar aus fast allen Richtungen. Wer von Norden kam, sah den Ballon rechts neben der Stadtsilhouette stehen. Aus Richtung Westen tauchte er je nach Blickwinkel hinter dem Stadtbild auf, und auch aus Richtung Süden wird der Turm, für den der Ballon stand, sichtbar sein.

Mit der Ballon-Aktion wollte der Konzern der Bevölkerung zeigen, wie hoch der Turm werden wird, damit die Rottweiler eine Vorstellung davon bekommen, wie er sich auf die historische Stadtsilhouette auswirkt. Das ist eines der Argumente, das von Projekt-Gegnern angeführt wird: Der Turm beeinträchtige das von Türmen geprägte Stadtbild. "Warum sollte der neue Testturm nicht einfach ins Stadtbild integriert werden?", schlug Kiene vor.

Auch Wilfried Drognitz aus Dietingen, Nachbarort von Rottweil, hat kein Problem damit, dass er von Dietingen aus den Turm sehen wird. "Das ist doch eine Bereicherung und ein weiterer Anziehungspunkt für die Region", sagt er. So unkompliziert denken nicht alle.

Das zeigte sich beim Info-Truck, mit dem Thyssen-Krupp in der Stadt über das Projekt informierte. Auch von dort aus war der Ballon zu sehen. Das Interesse war groß. Eine der vielen Fragen war die nach der Bodenuntersuchung. Mit dem Ergebnis steht und fällt das Projekt am aktuell favorisierten Standort "Berner Feld", einem Gewerbegebiet 1,5 Kilometer Luftlinie von der Innenstadt entfernt.

Ursprünglich wollte Thyssen-Krupp den Turm im Gewerbegebiet "Neckartal" bauen. Dort wären die unteren 110 Meter des Bauwerks im Tal gestanden, und nur die oberen 125 Meter hätten die Baumgrenze überragt. Doch drei Tiefenbohrungen hatten gezeigt, dass der Untergrund im vorgesehenen Gelände problematisch ist und der Turm ein aufwendiges Fundament gebraucht hätte.

Die Bodenuntersuchung im "Berner Feld" bis auf 50 Meter Tiefe brachte das Ergebnis, dass dort "sicheres und gutes Gestein" vorhanden ist, sagte Alexander Keller, einer der Projekt-Beteiligten bei Thyssen-Krupp. Doch es seien weitere Untersuchungen notwendig, um ein klares Ergebnis für oder gegen den Standort zu erhalten.

Thyssen-Krupp will den Testturm für Hochgeschwindigkeits-Aufzüge in jedem Fall in Rottweil bauen. Dafür spreche unter anderem die Nähe zu Neuhausen auf den Fildern, sagte Keller. Dort entwickelt und konstruiert die Firma ihre Aufzüge. Dort gehöre der Testturm auch hin, sagte Keller. Doch die Einflugschneise des Echterdinger Flughafens lasse den Bau in Neuhausen nicht zu. Thyssen-Krupp braucht den Turm, um Hochgeschwindigkeits-Aufzüge für Wolkenkratzer zu entwickeln und zu testen. "Dafür brauchen wir auch diese Höhe", sagte Keller. Geplant sind, in dem Turm zehn Aufzugsschächte unterzubringen. Das Ziel ist, eine Aufzugs-Geschwindigkeit von deutlich mehr als zehn Meter pro Sekunde zu erreichen. "Wir investieren hier in Forschung und Entwicklung", sagte Keller. 35 bis 40 Millionen Euro dürfte der Turm kosten, der zum neuen Wahrzeichen für Rottweil werden könnte. Ganz sicher werde es ein Vorzeigeprojekt für die Kunden von Thyssen-Krupp, sagte Keller. Allerdings sollen in dem Turm nur etwa drei bis sechs ständige Mitarbeiter tätig sein.

Oberbürgermeister Ralf Broß sieht den Turm als "Imagegewinn" für Stadt und Region und "als Signal, dass Rottweil eine wirtschaftsfreundliche Stadt ist". Eines der stärksten Argumente ist die Aussichtsplattform, vorgesehen in 200 Meter Höhe. Was von dieser Plattform aus zu sehen sein wird, wurde den Besuchern im Info-Truck mit einem Video gezeigt. Gedreht wurde das Video mit einer Kamera, die an einem Mini-Hubschrauber unterhalb des Ballons angebracht war..

Wolfgang Kiene macht seine Begeisterung für den Turm nicht nur an der Plattform fest. Auch Dieter Maier, wie Kiene ein Ur-Rottweiler, gibt dem Turm eine große Bedeutung: "Das ist momentan die einzige Möglichkeit, dass hier noch was Innovatives herkommt."

Höher als der Fernsehturm
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