Ludwigsburg Rommel will Nazi-Rentner jagen

Ludwigsburg / DPA 10.02.2016
Der BGH entscheidet, ob KZ-Aufseher Gröning in Revision gehen darf. Das Urteil beeinflusst die Arbeit von Deutschlands obersten Nazi-Jäger.

Deutschlands neuer Nazi-Jäger Jens Rommel will ungeachtet des hohen Alters vieler NS-Täter die Suche nach Schuldigen nicht einstellen. Der Leiter der zentralen NS-Verfolgungsstelle in Ludwigsburg blickt aber mit Sorge auf eine anstehende Entscheidung des Bundesgerichtshofs. In Karlsruhe wird demnächst über die Revision im Fall des früheren SS-Manns Oskar Gröning entschieden und damit auch ein Zeichen gesetzt, gegen wen und ob Rommel künftig Ermittlungen führen kann. "Ich gehe davon aus, dass die Verurteilung trägt und das Urteil nicht aufgehoben wird", sagt Rommel.

Sollten die höchsten deutschen Strafrichter Gröning recht geben, müsste eine Handvoll ähnlicher Fälle eingestellt werden. Betroffen wäre auch der am Donnerstag beginnende Prozess gegen der einstigen Wachmann Reinhold Hanning (94) wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen in Auschwitz.

Rommel sieht in der Verhandlung vorm BGH jedoch auch eine Chance, Fehler der 60er-Jahre zu korrigieren. Damals urteilte der BGH, dass eine bloße Mitarbeit im Konzentrationslager nicht für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord ausreiche. "Ich erhoffe mir, dass der BGH die Gelegenheit ergreift, sich mit seiner damaligen Auschwitz-Rechtsprechung auseinanderzusetzen. Und die Frage klärt, ob der Gehilfe einen bestimmten Mord konkret gefördert haben muss." Derzeit sind vier Auschwitz-Beschäftigte angeklagt.

Rommels Hoffnung nährt sich aus der schriftlichen Begründung des Urteils gegen Gröning. Darin hatte sich das Landgericht Lüneburg eingehend mit dem Begriff "Tatbeitrag" und "Gehilfe" auseinandergesetzt und als Beispiel den Helfer der Attentäter des 11. September 2001 angeführt. Dieser war 2007 wegen Beihilfe zu den Terroranschlägen verurteilt worden, der BGH hat das Urteil bestätigt.

Als Gehilfe gilt jeder, der eine Tat "objektiv fördert oder erleichtert." Nicht alle früheren SS-Beschäftigte gehören dazu, sagt Rommel. Aber viele. "Und einige davon leben noch."