Justiz Rocker-Fehde: 25-Jähriger muss viereinhalb Jahre in Haft

Stuttgart/Ludwigsburg / Bernd Winckler 07.12.2017
Die blutige Fehde zweier Rockergruppen in der Ludwigsburger Region hat weitere Folgen vor Gericht: Ein 25-jähriger Messerstecher muss jahrelang ins Gefängnis.

Ein weiterer Prozess im Rockerstreit zwischen einer kurdischen und einer türkisch-nationalistischen Gruppe ist am Mittwoch am Stuttgarter Landgericht zu Ende gegangen. Der 25-jährige Türke, der der Rockergruppe „Osmanen Germania“ nahesteht, muss wegen gefährlicher Körperverletzung viereinhalb Jahre hinter Gitter. Ihm rechnet das Gericht mindestens einen Messerstich gegen ein Mitglied der verfeindeten Rockergruppe „Stuttgarter Kurden“ an.

Ein seit längerem schwelender Konflikt zwischen den Stuttgarter Kurden  und den „Osmanen“ eskalierte im Frühjahr 2016. Mitte April wurde in Stuttgart-Stammheim ein 25-Jähriger aus dem Kurden-Umfeld durch Baseballschläger und zwei Messerstiche schwer verletzt, er wurde ins Ludwigsburger Klinikum eingeliefert. Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, kam es in der Nähe der Klinik zu einer Racheaktion seitens der Kurden: Dabei wurde ein „Osmane“ durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Dafür sind wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vier der damaligen Angreifer im Juni dieses Jahres vom Stuttgarter Landgericht abgeurteilt worden.

Der nun in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft abgeurteilte „Osmane“ dagegen ist nur zum Teil für die vorausgegangene Attacke in Stammheim verantwortlich, und zwar für einen Stich in den Oberarm, den er am letzten Prozesstag eingestand. Wer den zweiten Stich in die Flanke des Stammheimer Opfers setzte, bleibt unklar. Für den versuchten Totschlag, den die Staatsanwaltschaft erkannt hatte, reichte dieser Stich in den Oberarm nicht, lediglich für ein Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung.

Nach Tat in die Türkei abgesetzt

Als Schuldanerkenntnis wertete das Gericht, dass der Angeklagte sich am Tag nach dem Geschehen in seine türkische Heimat abgesetzt hatte und erst im April dieses Jahres über den Flughafen Zürich wieder versuchte, illegal nach Deutschland einzureisen. Allerdings klickten bereits in Zürich die Handschellen.

Nach wie vor fahnden die Behörden noch nach dem Messerstecher, der während des letzten Prozesses um die Attacke in Ludwigsburg auf offener Straße einen Belastungszeugen an einer Ampel in dessen Auto angriff und verletzte.