S 21, die Neubaustrecke über die Alb, die Rheintalbahn: In keinem anderen Bundesland investiert die Bahn so viel in ihre Trassen. Allein der viergleisige Ausbau der Rheinschiene kostet rund sechs Milliarden Euro. Die Pläne liegen lange vor, nicht alle waren genehmigungsfähig. So musste die Bahn etwa in Offenburg nachbessern. Mehrkosten dort: Rund eine Milliarde Euro. "Die Zahlen können einen schon umhauen", sagte Herrmann dieser Zeitung. Überall waren Bürgerinitiativen aktiv. Und bis auf wenige Abschnitte hat man sich über ihre Forderungen nach mehr Lärm- und Landschaftsschutz geeinigt.

Grundsätzlich zahlt der Bund für den Ausbau. Aber das Land hatte schon 125 Millionen Euro für besseren Lärmschutz in Aussicht gestellt. Nun summieren sich die Mehrkosten auf rund zwei Milliarden Euro - da muss das Land nachbessern. Der Minister rechnet mit weiteren rund 300 Millionen, verteilt über viele Jahre Bauzeit. "Wir haben ja versprochen, dass es mit der Neubaustrecke nicht lauter werden darf. Das müssen wir jetzt auch halten."

Am 26. Juni tagt der Projektbeirat mit Vertretern des Bundes, der Bahn und der Landesregierung mit Initiativen, Landräten und Bürgermeistern. Dann will Hermann versuchen, an die letzten strittigen Themen einen Knopf zu machen. Bis Jahresende sollen die Entscheidungen getroffen sein. "Ich möchte das Thema aus dem Landtagswahlkampf heraus halten", sagt er - auch um weitere unrealistische Versprechen zu unterbinden.

Denn die gibt es - etwa beim Abschnitt bei Müllheim. Dort schien die Trassenfrage geklärt, bis eine Bürgerinitiative die "beste Lösung" präsentierte und versprach, sie werde nicht mehr kosten als die vorhandenen Pläne. Tut sie aber, fanden die Planer beim Nachrechnen. Und die teure Tieferlegung der Gleise macht noch nicht mal Lärmschutzwände obsolet. Unterm Strich erwartet Hermann 300 Millionen Euro Mehrkosten, wovon maximal 300 Menschen profitierten. Für den Preis "könnte man jedem eine Villa im Grünen bauen."

Vom ursprünglichen Bauvolumen von vier Milliarden ist die Hälfte verbaut, erst ein Drittel der Trasse fertig. Doch Hermann befürchtet zumindest für die nächsten zehn bis 15 Jahren keine Engpässe.